Jan Stoces: Jede Krise birgt auch Chancen. Der asiatische Markt bietet beispielsweise noch Raum für Wachstum. Die Frage ist nur, welchen Anteil davon sich deutsche Unternehmen sichern können. Was Services im Fahrzeug angeht, haben wir in Europa noch großen Spielraum. Unternehmen, die jetzt mutig sind und auf Innovation und neue Geschäftsmodelle setzen, können gestärkt aus der aktuellen Situation hervorgehen.
– Inwieweit können neue Technologien wie KI der Industrie helfen? Was für Potenziale bieten KI-Anwendungen der Industrie, in der Supply Chain?
Nils Finger: Besonders in der Lieferkette kann KI Prognosen verbessern, Engpässe frühzeitig erkennen und Prozesse automatisieren. Predictive Maintenance ist ein weiteres gutes Beispiel.
Jan Stoces: Machine Learning wird in vielen Unternehmen bereits seit Jahren eingesetzt, um Daten besser zu nutzen, und bringt einen sichtbaren Mehrwert. Generative KI-Anwendungen entfalten ihre Vorteile besonders im Sales und Marketing. In der Produktion fehlen oft noch die strukturierten Daten und das Knowhow, um Generative-KI-Projekte erfolgreich umzusetzen. Bis wir hier wirklich nutzbare Ergebnisse sehen, wird es noch ein paar Jahre dauern.
– Wie wird die deutsche Automobilindustrie in 15 Jahren aussehen?
Jan Stoces: Sie wird da sein (lacht). Sehr viel mehr können wir nicht mit Sicherheit sagen.
Nils Finger: Ein Szenario ist der Rückgang der Massenproduktion, besonders im Niedrigpreissegment. Der Luxusmarkt bietet weiterhin große Chancen und Elektromobilität wird sich stärker etablieren. Verbrenner werden uns mittelfristig aber weiterhin begleiten und sei es nur, um die Mobilitätswende zu finanzieren. Die Digitalisierung wird in 15 Jahren viel weiter fortgeschritten sein, dementsprechend können sich Unternehmen auch besser an neue Marktsituationen anpassen. Diese Anpassungsfähigkeit wird auch in Zukunft erfolgsentscheidend bleiben.

















