Jan Stoces: Das Thema Nachhaltigkeit ist eng mit Digitalisierung verknüpft. Es gibt viele Ansätze, um ressourcenschonender zu arbeiten. Aber diese Maßnahmen müssen finanzierbar sein. Gerade kleine Zulieferer haben oft nicht die nötigen Mittel, um umfassende Digitalisierungsmaßnahmen umzusetzen.

– Wie gehen Zulieferer mit der angespannten Situation um? Gibt es einen roten Faden?

Nils Finger: Wir sehen im Moment viele Tendenzen, aber noch keinen einheitlichen roten Faden. Viele Unternehmen versuchen, durch Diversifizierung Risiken zu minimieren. Sie suchen nach neuen Märkten und Produkten, um Abhängigkeiten von einzelnen Kunden zu reduzieren. Auch Partnerschaften und Kollaborationen gewinnen an Bedeutung. Nachhaltigkeitsbestrebungen werden durch diese Situation leider oft auf das Minimum reduziert, und Unternehmen setzen verstärkt auf Kosteneffizienz.

Jan Stoces: Hier gibt es auch Unterschiede in der Unternehmensgröße. Besonders kleinere Zulieferer sind stark belastet und versuchen, kurzfristig Brände zu löschen. Das bindet Ressourcen, die für strategische Maßnahmen fehlen. Insgesamt ist die Branche aber sehr heterogen.

– Welche Chancen hat die deutsche Automobilindustrie wieder in die Spur zu kommen? Was muss passieren, damit die Hersteller wieder mehr Fahrzeuge verkaufen?

Nils Finger: Die politischen Rahmenbedingungen müssen verbessert werden. Dazu gehören eine bessere Planbarkeit, stabile Energiepreise, verlässliche Förderprogramme und der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Ohne diese Maßnahmen wird es schwierig, das Vertrauen der Endkunden zurückzugewinnen.

Jan Stoces: Die Probleme sind in der gesamten EU ähnlich. Die Unsicherheit auf den Märkten betrifft alle Zulieferer. Es braucht deshalb klare und langfristige Perspektiven der Politik. Unternehmen müssen wissen, worauf sie sich einstellen können.

– Was macht der Industrie aktuell Hoffnung?

Nils Finger: Technologische Fortschritte in den Bereichen Batterietechnologien, Förderprogramme in verschiedenen Märkten, autonomes und vernetztes Fahren bieten Perspektiven. Zudem sehen wir eine Stabilisierung der Märkte und sinkende Inflationsraten. Der Luxusmarkt bleibt konstant und bietet Chancen, zumindest für einen Teil der deutschen Hersteller.

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