Effizienz und Vermeidung von Komplexität im Fokus

Während Stefan Bauer und seine Kolleginnen und Kollegen die Architektur verantworten, macht Dominik Simbeck die Oberflächen „hübsch“. Simbeck verzieht das Gesicht. Das will er so nicht stehenlassen. „User Experience und Usability ist mehr als Corporate CI-Farben auf das HMI zu bringen. Es geht nicht um das Aufhübschen es geht vielmehr um Effizienz, um die Vermeidung von Komplexität,“ unterstreicht er. Er und sein Team haben in den vergangenen Monaten einen UX-Prozess im Unternehmen etabliert. Der Prozess basiert auf einem klassischen Design-Thinking-Ansatz. Ziel ist es, die Bedürfnisse der Benutzer frühzeitig zu erkennen und die Prozesse entsprechend zu optimieren. Dies beginnt mit der theoretischen Modellierung der Prozesse, gefolgt von der Erstellung von Wireframes und iterativen Tests mit Endanwendern. Der Prozess führt zur Entwicklung eines UI-Prototyps, der schließlich an die Softwareentwicklung übergeben wird. Dieser Ansatz ermöglicht es, die Benutzeroberflächen kontinuierlich zu verbessern und an die Bedürfnisse der Anwender anzupassen. Die Umstellung auf browserbasierte Oberflächen erforderte auch organisatorische Anpassungen bei Witron. Ein spezialisiertes UX-Team wurde gebildet, das sich ausschließlich mit der Optimierung der Benutzererfahrung beschäftigt. Ein konsistentes Designsystem wurde eingeführt, um die Qualität und Konsistenz der Oberflächen zu gewährleisten. Diese Maßnahmen erleichtern nicht nur die Entwicklung neuer Anwendungen, sondern verbessern auch die Wartbarkeit und Weiterentwicklung bestehender Systeme – sowohl technologisch als auch funktionell.

„Anforderungen ändern sich, es gibt neue Innovationen von Witron, das Kundengeschäft ändert sich. Da müssen wir fortwährend dranbleiben. Deswegen ist das UX-Thema jetzt auch Bestandteil der Produktentwicklung und eine treibende Kraft, die hinter der UI-Entwicklung steht.“

„UX und User-Interface-Design sind in der Industrie anders als im Consumer-Markt“, unterstreicht der Spezialist. Eine der größten Herausforderungen sind die Anpassungen der UX-Strategien an die spezifischen Anforderungen industrieller Umgebungen. Beispielsweise müssen Touch-Panels in Tiefkühlumgebungen bei -26°C auch mit Handschuhen bedienbar sein und benötigen daher eine andere Gestaltung als typische Consumer-Tablets. Auch die Farbgestaltung und Kontraste müssen an die Beleuchtungsverhältnisse in Lagerhallen angepasst werden.

Prozessstabilität und Kosten

Das wichtigste Projekt von Simbecks Team war in den vergangenen Monaten die Migration des Witron Warehouse-Management-Systems auf eine browserbasierte Applikation im Rahmen eines Projektes für einen nordamerikanischen Lebensmittelretailer. Diese Migration war nicht nur technologisch getrieben, sondern bot auch die Gelegenheit, die Benutzeroberflächen grundlegend zu überarbeiten und zu optimieren. „Wir durften direkt Rückmeldungen von Anwendern aufnehmen. Dieses Vorgehen ermöglicht es uns, die spezifischen Verbesserungspotenziale aufzuzeigen, insbesondere im Bereich der Datenpflege und Stammdatenerfassung.“ Die enge Zusammenarbeit mit den Kunden ist ein wesentlicher Bestandteil des UX-Prozesses bei Witron. Simbecks Team schickte UX-Experten zu den Kunden, die die aktuellen Arbeitsabläufe und Benutzerinteraktionen beobachteten und analysierten. „Durch Interviews und direkte Beobachtungen werden spezifische Pain-Points identifiziert. Diese Informationen fließen in die Optimierung der Benutzeroberflächen ein, um eine intuitive und effiziente Nutzung zu gewährleisten“, erklärt Simbeck. Der Kunde war begeistert. „Unser Team hat von den Mitarbeitern einen Dankesbrief erhalten. Das kommt im UX-Bereich selten vor.“

Und wie misst er den Erfolg einer guten UX? „Der Erfolg der Benutzeroberflächen wird bei Witron sowohl durch subjektives Feedback der Nutzer als auch durch objektive Messungen bewertet. Dabei wird beobachtet, wie schnell und effektiv die neuen Oberflächen adaptiert werden und ob sie zu einer Reduzierung von Fehlbedienungen und Support-Anfragen führen.“ Simbeck betont, dass ein guter UX-Prozess zahlreiche Vorteile hat – für den Kunden und für Witron. „Durch die höhere Prozess-Stabilität in den Anlagen wird eine bessere Verfügbarkeit, mehr Leistung und höherer Output erzielt. Dies führt zu einer Reduktion der Hardware-Kosten, einem geringeren Bedarf an Service-Personal und einer erheblichen Zeitersparnis – und last but not least: es entstehen attraktive Arbeitsplätze für die Logistik-Mitarbeiter.“

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