Schienensystem mit Ladelösung

Die stationäre Ladeplatte der Wiferion-Lösung wird ohne großen Aufwand in den Boden integriert und kann dort punktgenau von den FTS angefahren werden.
Die stationäre Ladeplatte der Wiferion-Lösung wird ohne großen Aufwand in den Boden integriert und kann dort punktgenau von den FTS angefahren werden.Bild: Wiferion

Trends frühzeitig erkennen – ein wichtiges Credo der Wirtschaftlichkeit. Doch nicht immer führt Weitsicht zum unternehmerischen Erfolg. Für Strothmann Machines & Handling hingegen erwies sich die Fokussierung auf das zweite Standbein vor rund zehn Jahren als zukunftsweisend. In den 80er und 90er Jahren im Bereich der Pressenautomation großgeworden, hat sich der Anbieter von Systemlösungen für Transport und Handling inzwischen auf fahrerlose Transportsysteme (FTS) spezialisiert und in diesem Zusammenhang das Angebot seines patentierten RundSchienen-Systems erweitert.

„Die Marktnachfrage im Bereich Pressenautomation ist in den letzten fünf Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Wesentlicher Treiber sind die starken Veränderungen im Bereich der Karosserieteilefertigung“, sagt Dominik Schaffrinski, Head of Business Development & Marketing bei Strothmann. „Stattdessen ist die Nachfrage im Bereich der Intralogistik stetig gestiegen. Da wir mit unseren RundSchienen bereits ein unschlagbares System für die Bewegung von Pressenwerkzeugen entwickelt hatten, kam uns die Idee, dieses auch für andere Anwendungsbereiche zu nutzen. Die Entscheidung, auch fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF) für unser Schienennetz zu bauen, war danach naheliegend. Unser neuer Unternehmensschwerpunkt ist nun ein Komplettsystem aus Schiene und Automation, das perfekt aufeinander abgestimmt ist.“

Strothmanns FTS-Lösung für hohe Effizienz und Ergonomie

Mittlerweile liefert das Unternehmen 18.000m RundSchienen für rund 100 neue Projekte pro Jahr. Mit der Konzentration auf die letzte Meile in der Produktion, auf der die gesamte Wertschöpfungskette zum Endprodukt zusammenläuft, und der Spezialisierung auf schwere Lasten bedient Strothmann eine Nische. Produkte mit einem Gewicht von 5 bis 200t können mit dem FTS uTrack von Strothmann auf dem Schienensystem transportiert werden – eine besonders bodenschonende Art der Fortbewegung. Neben der hohen Positioniergenauigkeit zeichnet sich die uTrack-Schienenführung auch durch ihre Energieeffizienz aus. Durch den geringen Reibungskoeffizienten ist das Bewegen von Lasten zehnmal energieeffizienter als bei anderen Schienensystemen.

Mit einer Standardbauhöhe von 260mm ist uTrack ein äußerst kompaktes FTS, das die Ergonomie bei der Arbeit am und auf dem Fahrzeug verbessert. Diese außergewöhnlich flache Bauweise ist ein weltweites Alleinstellungsmerkmal des FTS. Eine sehr geringe Ausfallrate ermöglicht zudem eine hohe Produktionssicherheit von 99,8 Prozent. Dazu trägt unter anderem die geschlossene Kontur des Rundschienensystems bei, das im Gegensatz etwa zu konventionellen Schienen keine großen Fugen aufweist, zwischen die Schmutz fallen und den Transport behindern könnte. Doch selbst im äußerst seltenen Fall der Fälle ist eine Panne kein Beinbruch, wie Dominik Schaffrinski erklärt: „Fällt ein Fahrzeug aus, kann es innerhalb von fünf Minuten von dessen Antrieb entkoppelt und z.B. von einem Hilfs-Mover auf der Strecke gezogen werden. Bei geringeren Lasten können die Fahrzeuge sogar vom Personal von Station zu Station geschoben werden. Dank des geringen Reibungskoeffizienten kann eine einzelne Person bis zu fünf Tonnen bewegen.“ Das Ergebnis: Das FTF bleibt auf der Strecke, die Produktion kann abgeschlossen werden. Ausfallzeiten und -kosten werden damit auf ein Minimum reduziert.

Nachteile der Linieninduktion

Was ein einzelner Mensch bewegen kann, braucht kein leistungsstarkes Batteriesystem. Lediglich zwei bis vier Batteriemodule mit einer Spannung von 48V und einer Ladungsspeicherkapazität von 21 bis 42Ah sind pro uTrack verbaut. Aufgrund des sehr geringen Widerstands beim Anfahren und Bremsen ist diese Leistung völlig ausreichend. Als Effizienznachteil erwies sich allerdings die Art der Energieübertragung über in den Boden eingelassene Linienleiter entlang der Strecke.

Bei der Linieninduktion muss die Strecke dauerhaft bestromt werden, auch wenn das Fahrzeug steht und keinen wesentlichen Energiebedarf hat. Das senkt den Wirkungsgrad erheblich und steigert folglich die Betriebskosten sowie die Umweltbelastung. „Die CO2-Bilanz fällt damit deutlich schlechter aus, je länger die Strecke wird“, sagt Dominik Schaffrinski. Zudem ist diese Art des Energietransfers mit einem enormen Installationsaufwand verbunden. Die Linienleiter müssen entlang der gesamten Strecke exakt dem Schienenniveau angepasst werden.

Ein hocheffizientes, technisch ausgeklügeltes System und eine ineffiziente Energieversorgung? Für Strothmann kein akzeptabler Zustand. Das Unternehmen setzt daher seit 2022 auf die induktiven Punktladesysteme von Wiferion.

Laden nur, wo’s nötig ist

Wiferion bietet induktive Ladesysteme für autonome FTS an, die ohne große Veränderungen an der Gebäudestruktur installiert werden können. Strothmann integriert diese in Form der Bodeninstallationslösung Wireless Charging Protection System (WCPS) des strategischen Wiferion-Partners PohlCon direkt in die Montagelinie. Im Gegensatz zu einem Linieninduktionssystem, das entlang der gesamten Linie installiert wird, wird EtaLink 3000 nur an wenigen strategisch sinnvollen Stellen eingesetzt.

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