
Nach über 20 Jahren verlegt Clark seinen weltweiten Hauptsitz von Seoul, Korea, nach Flower Mound, Texas im Großraum Dallas/Fort Worth. Welche Unternehmensstrategie steht hinter diesem Schritt und warum verlässt die Geschäftsleitung von Clark den asiatischen Raum?
SS Baik: Mit der Verlegung seines globalen Hauptsitzes von Seoul nach Dallas verwirklicht Clark einen langfristigen Plan, zu seinen amerikanischen Wurzeln zurückzukehren. Das Unternehmen wurde vor über 100 Jahren in den USA gegründet, gilt als Erfinder des Gabelstaplers und möchte diese Identität als ‚American Icon‘ wieder stärker betonen. Nach der Übernahme durch das südkoreanische Unternehmen Young An Hat Company im Jahr 2003 war die Verlegung des Hauptsitzes nach Asien zunächst eine pragmatische Entscheidung. Von Anfang an war jedoch klar, dass Clark aufgrund seiner starken amerikanischen Tradition und beeindruckenden Geschichte eines Tages wieder in die Vereinigten Staaten zurückkehren würde.
Mit der Wahl seines neuen Unternehmensstandorts kehrt Clark nun stolz in sein Herkunftsland zurück. Hinter dem Umzug steht die strategische Absicht, sich näher an den Kernmärkten und den wichtigsten Kunden zu positionieren. Dallas bietet durch seine internationale Anbindung, Englisch als globale Geschäftssprache und die logistisch günstige Lage am Flughafen Dallas optimale Voraussetzungen für ein modernes, weltweit agierendes Leitungszentrum. Gleichzeitig möchte Clark seine kulturelle Ausrichtung und seine gemeinsame Geschäftsphilosophie mit den großen westlichen Märkten nutzen, um seine Position auf dem amerikanischen Markt langfristig zu stärken.

Welche Aufgabenbereiche übernimmt das neue globale Headquarter in Dallas zukünftig? Auch die weltweilte Entwicklung der kommenden Flurförderzeug-Serien?
Chuck Moratz: Das neue globale Headquarter in Texas übernimmt alle zentralen Führungs-, Strategie- und Koordinationsaufgaben: Unternehmensentwicklung, globale Produkt- und Markenstrategie, übergreifende Forschung und technische Standards, Supply-ChainManagement sowie die Steuerung der internationalen Vertriebsorganisationen. Allerdings wird es sich weniger auf operative Entscheidungen des Tagesgeschäfts konzentrieren, sondern vielmehr als strategischer Impulsgeber fungieren. Die Entwicklungsarbeit für zukünftige Flurförderzeug-Serien bleibt international verteilt.
Neben dem globalen Produktplanungsteam in den USA gibt es regionale Kompetenzzentren in Europa, Asien und Nordamerika, die marktspezifische Erkenntnisse und anwendungsorientierte Anforderungen liefern. So verantwortet Clark Europe etwa die Weiterentwicklung von Lagertechnikfahrzeugen und Gabelstaplern, die speziell auf europäische Anforderungen zugeschnitten sind. Das Gleichgewicht zwischen globaler Koordination und regionaler Entwicklung soll Synergien schaffen und gleichzeitig enge Kundenbeziehungen pflegen sowie spezifische Marktbedürfnisse berücksichtigen.

Die aktuelle Marktsituation stellt hohe Anforderungen an Flurförderzeughersteller weltweit. Wie reagiert Clark darauf? Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der Intralogistik – und des Flurförderzeugmarkts im Speziellen?
Stefan Budweit: Die weltweite Intralogistik befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess: steigende Automatisierung, Elektrifizierung, Nachhaltigkeitsdruck, Fachkräftemangel und veränderte Lieferketten nach der Pandemie prägen den Markt. Clark reagiert darauf mit drei Kernmaßnahmen:
- Fokus auf Kundenbedarf: Produkte und Services werden konsequent nach Nutzererfahrung und Anwendungsszenarien entwickelt.
- Technologische Anpassungsfähigkeit: Plattformstrategien, modulare Baureihen und standardisierte Schnittstellen sichern hohe Flexibilität.
- Elektrifizierung des Portfolios: Parallel zur Digitalisierung werden Verbrennermodelle sukzessive durch elektrisch angetriebene Baureihen ersetzt.
Für den Gesamtmarkt erwartet Clark in den kommenden Jahren ein weiteres Wachstum des Lagertechniksektors, eine allmähliche, aber stetige Zunahme automatisierter Systeme sowie stärkere Fokussierung auf Energie- und Kosteneffizienz. Europa bleibt dabei technologischer Schrittmacher, während Nordamerika und Teile Asiens die Trends zeitversetzt übernehmen. Das MOVEsystem von IEF-Werner transportiert Bauteile und Produkte zuverlässig, modular und kosteneffizient – ob auf Werkstückträgern, direkt auf Riemen oder in Paletten. Anwender profitieren von maximaler Flexibilität. ‣ weiterlesen
MOVEsystem bewegt mehr:
Ist die Nachfrage nach Clark-Flurförderzeugen weltweit unterschiedlich? Welche Trends zeichnen sich in den Märkten Europa, USA und Asien ab?
SS Baik: Ja, die Nachfrage unterscheidet sich deutlich nach Region. In Europa entfallen rund 70 Prozent des Markts auf Lagertechnik; hohe Nachfrage nach effizienten, kompakten Elektrosystemen, Hubhöhen bis zu 14m, Komfortkabinen und viele Sicherheitsoptionen. In den USA liegt der Schwerpunkt stärker auf Gegengewichtsstaplern, die auch für robuste Outdoor-Anwendungen geeignet sind und auf Stand-on-Fahrzeuge. In Asien ist die Situation eine Mischung aus beidem; wachsendes Interesse an Elektromodellen, aber kleinere Marktsegmente und sehr preissensibel.
Der globale Megatrend ist die rasante Verbreitung der Lithium-Ionen-Technologie – auch in Regionen, wo sie vor kurzem noch als zu teuer galt. Sinkende Batteriepreise, geringerer Wartungsaufwand und längere Lebensdauer beschleunigen diese Entwicklung. Gleichzeitig bleibt der Verbrenner in Nischen (z.B. in kleinen Betrieben, Außenlagern ohne Ladeinfrastruktur) sowie in Region wie dem Nahen Osten und Afrika erhalten.
In Europa ist das Thema Automatisierung von höchster Bedeutung. Wann ist mit ‚fahrerlosen‘ Clark-Fahrzeugsystemen für den europäischen Markt zu rechnen?
Stefan Budweit: Clark arbeitet mit mehreren Partnern weltweit zusammen, um fahrerlose Transportsysteme zu entwickeln. In den USA laufen Pilotprojekte mit vier Integratoren, zwei weitere Programme finden in Korea statt. Diese Initiativen basieren auf standardisierten Fahrzeugen der Clark-Serie, die mit Sensoren und einer Sicherheitsarchitektur ausgestattet sind, um Automatisierung zu ermöglichen.
Clark rechnet, ähnlich wie die gesamte Branche, mit einem langsameren Marktdurchbruch als zunächst angenommen. Gründe sind vor allem die noch geringe Akzeptanz bei vielen Kunden, komplexe und zeitaufwändige Integration in bestehende Warenwirtschaftssysteme und hohe Investitionskosten. Dennoch dürften die ersten serienreifen Lösungen für den europäischen Markt aus den laufenden Projekten innerhalb der nächsten Jahre hervorgehen. Insgesamt wird für die nächsten fünf bis zehn Jahre ein allmähliches Marktwachstum prognostiziert.

Welche Neuigkeiten hat Clark beim Thema ‚alternative Antriebstechniken‘ zu vermelden? Wie weit ist die Elektrifizierung von Flurförderzeugen auf dem US-amerikanischen und asiatischen Markt fortgeschritten und welche Rolle spielt zukünftig die Brennstoffzellentechnologie?
Chuck Moratz: Bei alternativen Antriebstechniken konzentriert sich Clark derzeit vollständig auf Elektromobilität mit Lithium-Ionen-Batterien. Wir beobachten Brennstoffzellen- und reine Wasserstoffsysteme, aber aufgrund hoher Kosten und begrenzter Betankungsmöglichkeiten ist ihr wirtschaftlicher Betrieb nach wie vor schwierig.
In Korea und Australien prüfen einzelne Werke die Anwendung von Wasserstoffverbrennung bei Schwerlaststaplern, während im europäischen Bereich Elektrostapler praktisch das Verbrennungssegment ablösen. Auf den US- und asiatischen Märkten verläuft die Umstellung langsamer, dort bleiben Verbrenner in traditionellen Sektoren, etwa der Bau- oder Hafenlogistik, vorerst gefragt. Langfristig sieht Clark Brennstoffzellen vor allem als Ergänzung für große Flotten mit zentraler Betankung.
Welchen Stellenwert misst Clark dem Thema Nachhaltigkeit bei? Welche Fahrzeugtechnologien bzw. -optionen bieten Sie Ihren Kunden an, um wirtschaftliche als auch gesellschaftliche Vorteile mitzunehmen?
SS Baik: Nachhaltigkeit hat bei Clark hohe Priorität und wird von unserer eigenen ESG-Kommission (Environmental, Social and Governance) geleitet. Die Initiative arbeitet an CO₂-Reduktion, ressourcenschonender Fertigung und recyclingfähigen Komponenten. Kunden profitieren von Fahrzeugen, die mit energieeffizienten Antriebs- und Hydrauliksystemen, optionaler Lithium-Ionen-Technologie und formaldehydfreien Materialien im Innenraum ausgestattet sind. In der Produktion wurden z.B. die Lacke, Reinigungs- und Beschichtungsprozesse auf wasserbasierte, umweltfreundlichere Substanzen umgestellt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Senkung der Gesamtbetriebskosten: Geringere Wartungs- und Energiekosten helfen den Kunden, über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs hinweg Geld zu sparen und gleichzeitig die Umweltanforderungen zu erfüllen.

Inwiefern werden KI-Technologien auch die Flurförderzeug-Branche verändern? Welche Rolle spielt das Thema KI bei Clark?
Stefan Budweit: Künstliche Intelligenz steckt bei Clark noch in den Anfängen, wird jedoch zunehmend als Werkzeug zur Prozessoptimierung betrachtet, wie z.B. KI-Tools in Kommunikation, Text- und Datenanalyse.
In der Technik- und Serviceperspektive soll KI künftig helfen, telemetriebasierte Daten aus den Flotten auszuwerten, Wartungsbedarfe vorherzusagen und Betriebsmuster beim Kunden zu analysieren. Auf Produktebene testet Clark den Einsatz lernender Systeme in Bedien- und Diagnosesoftware. Primäres Ziel ist nicht die ‚intelligente Maschine‘, sondern die intelligente Organisation – also schnellere Entscheidungs- und Informationsprozesse, Kostenreduktion und höhere Servicequalität.
Auf welche technischen Weiterentwicklungen konzentriert sich Clark 2026 in Sachen Fahrzeugportfolio, hier in Europa? Und wo sieht sich die Clark-Organisation in den nächsten fünf Jahren?
Stefan Budweit: Für 2026 konzentriert sich Clark Europe auf die deutliche Erweiterung seines Angebots an Lagertechnikfahrzeugen, die wir erstmals auf der Logimat 2026 vorstellen werden. Gleichzeitig wird die weltweite Elektrifizierung bestehender verbrennungsmotorischer Modelle fortgesetzt, so dass Clark künftig leistungsstarke elektrische Lösungen für robuste Außenanwendungen anbieten kann.
SS Baik: Mit Blick auf die nächsten fünf Jahre hat sich Clark fest vorgenommen, sich effektiv in dem sich wandelnden Marktumfeld zu behaupten. Diese Bereitschaft teilen alle unsere Tochtergesellschaften und Partnerfamilien weltweit. Wir versprechen, auch weiterhin ein führender Anbieter zu bleiben, gestützt auf jahrzehntelange Erfahrung in der globalen Fertigung und im Vertrieb. Wir sind zuversichtlich, dass sich unsere Bemühungen in einer deutlichen Stärkung unserer Präsenz auf dem globalen Markt und in der nachhaltigen Lieferung hochwertiger Flurförderzeuge, die den unterschiedlichen regionalen Anforderungen gerecht werden, widerspiegeln werden.
















