43.000 Stellplätze für das Produktionsmaterial

Der Lieferumfang von Unitechnik umfasste neben der Erweiterung des bestehenden Lagerverwaltungssystems UniWare ein neues Shuttlelager, die Behälterfördertechnik, vier Kommissionierarbeitsplätze, einen multifunktionalen Portalroboter, die Anbindung des AMR-Systems sowie die gesamte Steuerungs- und Sicherheitstechnik.

Das neue Shuttlelager verfügt über zwei Gassen mit 42 Regalebenen. Die ca. 43.000 Stellplätze werden von 14 Shuttles pro Gasse bedient. Weiterhin verfügt jede Gasse über zwei Behälter- und einen Shuttleheber. Dort wird neben Vorratsbehältern mit Roh- und Halbfertigteilen auch vorkommissionierte Ware eingelagert. Die Behälterfördertechnik verbindet das Lager mit vier Kommissionierplätzen, den Roboterübergabeplätzen und diversen Ein- und Auslagerstichen. Die Besonderheit: Sechs verschiedene Behältergrößen müssen transportiert und gelagert werden, jeweils noch mit und ohne Deckel.

Am Kommissionierplatz entnimmt der zuständige Mitarbeiter die gewünschte Menge an Bauteilen aus dem bereitgestellten Quellbehälter und befüllt damit einen Auftragsbehälter der passenden Größe. Beim ‚Zählen‘ unterstützt ihn eine präzise Waage.

Spezieller Portalroboter als Dreh- und Angelpunkt der Produktionslogistik

Zwischen dem Lager und dem Produktionsbereich befindet sich in einem durch Schutzzäune abgetrennten Bereich das Herzstück der automatisierten Anlage – ein speziell entwickelter Portalroboter mit multifunktionaler Greifeinheit. Dieser ist für die Verteilung und Stapelung der vorkommissionierten Behälter auf die Bodenroller zuständig. Die Herausforderung: Die unterschiedlichen Ladungsträger erfordern einen multifunktionalen Spezialroboter. Diese Anforderung hat Unitechnik in Zusammenarbeit mit dem Portalroboter-Spezialisten RO-BER umgesetzt. Die Eigenentwicklung kann bis zu sechs verschiedene Behältertypen sowie Europaletten und Bodenroller greifen. Die verschiedenen Behälter eines Auftrags werden vom Roboter automatisch nach einem durch UniWare berechneten Layout auf jeweils einen Bodenroller gestapelt. Anschließend übernimmt ein fahrerloses Transportsystem den fertig bestückten Bodenroller und fährt ihn in einen Pufferbereich, den so genannten Supermarkt.

Darüber hinaus ist der Roboter für den automatischen Eingang von Ware aus anderen Werken zuständig. Ein fahrerloses Transportsystem fährt die Paletten mit gestapelten Behältern direkt in die Roboterzelle. Der Roboter erkennt Typ und Position der einzelnen Behälter, nimmt sie ab und setzt sie auf die Fördertechnik. Anschließend werden sie in das Shuttle-Lager eingelagert.

AMR-Flotte bedient die Arbeitsplätze

Bei den fahrerlosen Transportsystemen wird unterschieden zwischen den klassischen spurgebundenen FTS-Fahrzeugen und Autonomen Mobilen Robotern (AMR), die frei auf der Fläche navigieren können. Dehn hat sich für AMR von Agilox entschieden. Diese sind mit Schwarmintelligenz ausgestattet. Das heißt, das System entscheidet dynamisch aufgrund der aktuellen Situation, welches Fahrzeug welche Aufgabe übernimmt. Insgesamt neun AMR vom Typ ODM wurden in enger Abstimmung mit Dehn modifiziert. Die Hauptaufgabe dieser AMR-Flotte ist der Transport der Bodenroller mit dem Material für die Produktionsaufträge. Zunächst wird die Ware in der Roboterzelle aufgenommen und im Supermarkt abgestellt. Dieser entkoppelt die Produktion vom Lagerbereich. Wird ein Auftrag abgerufen, transportiert der nächste freie AMR den zugehörigen Bodenroller vom Supermarkt an die Produktionslinie.

Ergänzt wird die AMR-Flotte durch vier Geräte vom Typ ONE, die Palettentransporte durchführen und Waren zwischen der Produktion und dem benachbarten Logistikzentrum transportieren.

UniWare steuert Distributions- und Produktionslogistik

Das Gehirn der Logistikanlagen am gesamten Standort Mühlhausen ist das Lagerverwaltungssystem UniWare mit integrierter Materialflusssteuerung und Anlagenvisualisierung. Eine besondere Herausforderung bei diesem Projekt war die Stapelbildung auf den Bodenrollern. Aus einer Vielzahl von Parametern und Abhängigkeiten gilt es den optimalen Aufbau der Behälterstapel zu berechnen.

Als Schaltstelle des Logistikzentrums hat UniWare Schnittstellen zum ERP-System SAP, zum MES-System Hydra, zum Portalroboter von RO-BER, zum AMR-System von Agilox und natürlich zu den Unitechnik-Steuerungen für Lager und Fördertechnik.

Mit automatischem Transport gegen den Fachkräftemangel

Trotz Pandemie und Krieg in der Ukraine konnte das neue Produktionslager in Mühlhausen i. d. Oberpfalz termingerecht im Juni 2023 fertiggestellt werden. Robert Berger, Projektleiter von Unitechnik, zieht auch deshalb ein positives Fazit: „Die Zusammenarbeit mit Dehn war auf allen Ebenen sehr konstruktiv und auf das gemeinsame Ziel ausgerichtet“, so Berger. „So konnten wir das Projekt trotz der äußeren Einflüsse zur Zufriedenheit aller Beteiligten abschließen.“

Auch für Christian Müller ist das Projekt ein voller Erfolg: „Neben der Integration der AMR-Flotte war die Planung und Entwicklung des Portalroboters eine Herausforderung, die unsere Partner aus Wiehl mit Bravour gemeistert haben“, resümiert er. „Durch die automatisierte Produktionsversorgung sind wir zum einen für zukünftiges Wachstum bestens aufgestellt, zum anderen umgehen wir den Fachkräftemangel in unserer Region.“

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