Flexible Automatisierungslösung

Newsletter 09 dhf 14 2025
Bild: ABB AG

Nespresso prägt seit 1986 die globale Kaffeekultur und versorgt Kaffeeliebhaber weltweit mit hochwertigen Kaffeemischungen. Um die Kundenzufriedenheit zu steigern und den Kundenservice zu verbessern, wollte das Unternehmen die Präzision und Qualität der Auftragsabwicklung für seine Direktbestellungen erhöhen.

Die E-Commerce-Bestellungen von Nespresso in den Benelux-Ländern erfolgen über den 3PL-Logistikdienstleister ID Logistics (IDL) in einem Distributionszentrum in Tilburg, Niederlande. Das Logistikzentrum von IDL wickelt jedes Jahr viele Tausend Kaffeebestellungen ab und arbeitet seit 2021 mit einem manuellen Pick&Pack-Verfahren.

Die Nachfrage nach Kaffeeprodukten steigt weiter an. Nespresso suchte daher nach einer Möglichkeit, die Auftragsabwicklung zu automatisieren, einschließlich der Bearbeitung komplexer Aufträge mit unterschiedlichen Kaffeemischungen.

„Da Nespresso eine stetig wachsende Nachfrage nach seinen Produkten verzeichnet, war das Unternehmen sehr daran interessiert zu sehen, wie eine automatisierte Auftragsabwicklung aussehen könnte“, erklärt Dominic Maas, Site Manager bei IDL. „Das System musste in der Lage sein, täglich mehr und größere Mengen an Kaffeebestellungen zu bearbeiten und gleichzeitig ein hohes Qualitätsniveau sicherzustellen.“

Ein effizientes System

Die Lösung von ABB umfasst ein innovatives Automatisierungssystem für die Depalettierung, die Kommissionierung und Verpackung. Das System unterteilt sich in zwei Hauptprozesse, in denen die Kartons mit den unverkennbaren Nespresso-Kaffeestangen zunächst aus ihrer Umverpackung entnommen werden, bevor sie kommissioniert und den Kundenaufträgen zugeordnet werden.

Im ersten Schritt entlädt ein Vierachs-Palettierroboter vom Typ IRB 660 die Kartons mit den Kaffeestangen von den Paletten. Der ABB-Roboter kann auf 40 Palettenplätze und SKUs zugreifen, um die benötigten Kaffeekartons auszuwählen. Sobald der IRB 660 einen Auftrag vom Materialflusssteuerungssystem (MFC) erhalten hat, legt er die richtigen Kartons auf das Förderband, das sie zu einem Kartonschneider transportiert. Die Kartons werden geöffnet und dann über das Förderband an den Kommissionierkanal weitergeleitet.

Die Behälter für die Kundenaufträge befinden sich auf einer separaten Automatisierungslinie, die abhängig von den benötigten Kaffeemengen und -sorten, vier Kommissionierstationen durchläuft. Vier ABB-Deltaroboter vom Typ FlexPicker IRB 360 übernehmen die Kommissionierung. Sie können bis zu 150 Picks pro Minute präzise und zuverlässig ausführen. Jede Kommissionierzelle verfügt über zehn Zuführkanäle, die dem Roboter zehn verschiedene Kaffeevariationen zur Verfügung stellen, und jeder Roboter kann bis zu fünf Kaffeestangen auf einmal aufnehmen. Die richtigen Kaffeestangen werden dann dem Auftrag hinzugefügt.

Der Behälter fährt schließlich in die Packstation, wo das System dem Mitarbeitenden mitteilt, welche Kartongröße für die Bestellung benötigt wird. Der Mitarbeitende stellt den Karton manuell an die Maschine, und die Kaffeehülsen werden automatisch in den Karton geschoben. Anschließend fügt er zusätzliches Kundenzubehör hinzu, z.B. Pralinen, bevor er die Schachtel verschließt, das Etikett anbringt und die Bestellung abschließt.

Zum Lieferumfang von ABB gehörte auch die Software, die als Materialmanagementsystem (MMS) fungiert. Die Software ist unter dem Lagerverwaltungssystem (LVS) von Nespresso angesiedelt und steuert den Materialfluss während der Produktion sowie den damit verbundenen Informationsfluss mit voller Transparenz. Darüber hinaus gibt es ein komplettes SCADA-System von ABB als Bedienerschnittstelle zur Visualisierung von KPIs.

Verbesserung der Auftragsgenauigkeit und Produktivität

„Wir haben uns für das ABB-System entschieden, weil es das innovativste und überzeugendste Design für die Projektanforderungen hatte“, erläutert Dominic Maas. „Eine Besonderheit ist der Pick&Place-Mechanismus bei laufendem Förderband. Der FlexPicker von ABB kann eine oder mehrere Kaffeestangen aus dem Karton nehmen und sie in den fahrenden Behälter legen.“

Ein weiteres Highlight für IDL und Nespresso ist die intuitive Benutzeroberfläche. Unterschiedliche Fenster auf der Benutzeroberfläche zeigen eine Karte der Robotersysteme mit allen Bereichen. Die Mitarbeitenden werden im Falle eines Fehlers alarmiert und können Empfehlungen zur Problembehebung abrufen. IDL und Nespresso profitieren dadurch auch von einem verbesserten Tracking, da Zuverlässigkeit und Durchsatz nachverfolgt werden können.

Seit der Installation des neuen Automatisierungssystems ziehen sowohl Nespresso als auch IDL eine durchweg positive Bilanz. Nespresso konnte die Genauigkeit der Auftragsabwicklung auf 99,9 Prozent steigern. Dank diesem Plus an Qualität und Zuverlässigkeit sank die Anzahl der Kundenbeschwerden und Reklamationen auf 0,06 Prozent der Aufträge.

Die Flexibilität des Robotersystems erlaubt Anpassungen im Betrieb, wenn sich Kundenanforderungen ändern. Das automatisierte System schafft einen Durchsatz von 625 Bestellungen pro Stunde. IDL und Nespresso erzielten damit eine Produktivitätssteigerung um 200 Prozent.

„Wir sind sehr zufrieden mit dem System. Es erhöht unsere Flexibilität und versetzt uns in die Lage, Kundenaufträge effizienter und mit weniger Fehlern auszuführen“, sagt Sorin Geambasu, Global Warehouse Efficiency Manager, Nespresso.

Das neue System nutzt dieselben Kartons und Paletten wie im ursprünglichen manuellen Betrieb. Nespresso musste dadurch nicht in neues Material investieren.

Zusätzliche Unterstützung

ABB hat nicht nur die Technologie geliefert, sondern auch die Mitarbeitenden von IDL im Umgang mit dem System und in der Durchführung kleinerer Reparaturen geschult. Darüber hinaus bietet ABB seinen Kunden auch nach der Installation und Lieferung ein hohes Maß an Unterstützung. Der Kundenservice steht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche für Remote-Support und bei Bedarf auch für Vor-Ort-Einsätze zur Verfügung.

„Ich bin unglaublich zufrieden mit der Unterstützung, die ABB uns bietet“, sagt Dominic Maas. „Die ABB-Fachleute sind immer zur Stelle, wenn wir Hilfe brauchen oder wenn wir eine Änderung wünschen. Der Support ist nur einen Telefonanruf entfernt, und wenn wir ihn vor Ort benötigen, sind die Expertinnen und Experten innerhalb weniger Stunden da.“

Automatisierung ausweiten

Die Lösung von ABB hat die Erwartungen von Nespresso und IDL übertroffen. Beide Unternehmen sind nun auf der Suche nach weiteren Einsatzmöglichkeiten für die Automatisierung.

„Es ist das erste Mal, dass eine solch innovative Automatisierungslösung für Nespresso implementiert wurde“, so Sorin Geambasu. „Wir suchen immer nach Möglichkeiten, die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Die Automatisierung hat sich als ein probates Instrument erwiesen, dieses Ziel zu erreichen. Wir prüfen nun, wie wir diesen Lösungsansatz an anderen Standorten implementieren können, um unsere Kunden in Zukunft noch besser zu bedienen.“