
Um die Verwaltung von Rohrgestellen zu automatisieren, hat Jacob Söhne gemeinsam mit der Logistikbude ein digitales System zur Ladungsträgerverfolgung erfolgreich getestet. Der Rohrspezialist plant, es künftig in weiteren Prozessen zu implementieren. Mithilfe von Bluetooth Low Energy (BLE)-Trackern, Barcodes und Gateway-Punkten auf dem Werksgelände können die Mitarbeitenden genau nachvollziehen, wo sich ihre Rohrgestelle zuletzt befanden und wann sie wieder eintreffen. Dies erleichtert die Kommunikation zwischen den Fertigungspartnern, erhöht die Transparenz und verhindert, dass Ladungsträger oder dazugehörige Aufträge verloren gehen.
Individuelle Rohrsysteme nach dem Baukastenprinzip
Mit 100 Jahren Erfahrung, rund 600 Mitarbeitenden und fünf internationalen Standorten gehört Jacob zu den führenden Herstellern von modularen Rohrsystemen in Europa. Von Laufrohrsystemen für das Schüttguthandling über Niederdruckförderung bis hin zu Entstaubungs- und Abluftanlagen für die Umwelttechnik: Der Rohrspezialist aus Porta Westfalica bietet Lösungen für verschiedenste Anwendungsbereiche, sowohl als Serienproduktion als auch in Form von individuellen Sonderanfertigungen.
Klassische Auftragsscheine und verschollene Ladungsträger
Jacob hat ein breites Sortiment aus großen Bauteilen und kleinsten Anfertigungen. Um Rohre, Absperrklappen oder Spannringe von A nach B zu befördern, werden zahlreiche Ladungsträger sowohl innerhalb des Unternehmens als auch für die Lieferung an Fertigungspartner, externe Montagebetriebe oder Kunden verwendet. Je nach Ware kommen dafür verschiedene Palettenvarianten, Metallboxen oder spezielle Rohrgestelle zum Einsatz. André Hayden, Teamcoach Pre-Production Forming bei Jacob, kämpfte im operativen Tagesgeschäft mit verschwundenen Ladungsträgern. Besonders problematisch sei das bei Kleinstteilen in großen Stückzahlen. „Geht eine Palette mit 5.000 Spannringen entlang der Lieferkette verloren, entstehen sofort Schwundkosten im mehrstelligen Bereich – und der Kunde wartet vergeblich auf seine Ware“, fasst Hayden zusammen.
Das System, mit dem die Ladungsträger bis Ende 2024 verwaltet wurden, war unübersichtlich. Aufträge wurden manuell in einer Liste festgehalten und je nach Status farblich markiert: So sollte sichtbar werden, ob sich Produkte und Ladungsträger noch auf dem eigenen Werksgelände, beim Kunden oder beispielsweise noch beim Galvaniseur befinden. Dort werden die Metalloberflächen der Waren beschichtet und korrosionsbeständig gemacht, bevor sie zurück zu Jacob gebracht und schließlich von dort aus zum Kunden transportiert werden. Doch die Infos zum Verbleib einzuholen, erwies sich im Arbeitsalltag als schwierig. „Wir arbeiten mit klassischen Auftragsscheinen, die wir für den Transport vorne an unseren Metallboxen befestigen“, erklärt Hayden. „Wann und ob die Ladungsträger unser Werksgelände verlassen, inwiefern sie zurückgebracht werden und wo sie bei uns wieder abgestellt werden, können wir allein anhand der Scheine nicht erkennen.“ Mitunter wurden Aufträge unbeabsichtigt von Fertigungspartnern zusammengelegt und konsolidiert zurück zu Jacob gebracht, was die Übersicht erschwerte. Verschwundene Aufträge tauchten zwar meist wieder auf, jedoch mit erheblichen Verzögerungen und nur durch äußerst aufwendige Prozesse. „Um eine einzige Metallbox wiederzufinden, verbrachten wir einen halben Arbeitstag damit, zahlreiche Partner telefonisch zu kontaktieren“, ergänzt Hayden. Das MOVEsystem von IEF-Werner transportiert Bauteile und Produkte zuverlässig, modular und kosteneffizient – ob auf Werkstückträgern, direkt auf Riemen oder in Paletten. Anwender profitieren von maximaler Flexibilität. ‣ weiterlesen
MOVEsystem bewegt mehr:
Auf einer Messe kam schließlich der Kontakt mit der Logistikbude zustande: Tobias Werner, Head of Business Transformation bei Jacob, besuchte ihren Stand und wurde dort auf ihre Softwarelösung aufmerksam, die das Ladungsträgermanagement vollständig digitalisiert. Auch in anderen Abteilungen bestand bereits ein großes Interesse daran, die Verwaltung der Boxen und Gestelle neu zu strukturieren. Anschließend kontaktierten Hayden und Werner die Logistikbude, um den Veränderungsprozess in Gang zu bringen und die ersten Schritte in Richtung digitalisiertes Ladungsträgermanagement einzuleiten.
Tracker, Barcodes und feste Sendepunkte ermöglichen digitale Standorterfassung
Gemeinsam starteten sie ein siebenmonatiges Pilotprojekt, bei dem sie die Lösung zur Ladungsträgerverwaltung bei zwei Jacob-Partnern implementierten. Ziel war es, die Gestelle beim Verlassen des Werksgeländes sowie beim Eintreffen dort digital sichtbar zu machen, um den Status des Auftrags nachvollziehen zu können. Dafür stattete das Team der Logistikbude insgesamt 20 Rohrgestelle mit sogenannten BLE-Trackern aus. Die daumengroßen Geräte arbeiten mit Bluetooth Low Energy – eine Technologie zur drahtlosen Kommunikation über kurze Distanzen. Zusätzlich erhielten die Testgestelle einen Aufkleber mit Barcode, der Tracker und Gestell jeweils miteinander verknüpft.
Um genau zu tracken, wann diese Gestelle das Werksgelände verlassen oder dorthin zurückgebracht werden, holten Jacob und die Logistikbude einen weiteren Partner an Bord: Robert Bosch. Das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen stellte für das Projekt sogenannte Gateways zur Verfügung, die an bestimmten Punkten auf dem Jacob Werksgelände angebracht wurden. So entstanden sowohl am Bereitstellzelt als auch in der Warenein- bzw. -ausgangshalle feste Sendepunkte. Passiert ein Ladungsträger diese Sendepunkte, beispielsweise beim Verlassen des Werksgeländes, senden die Gateways automatisch ein Signal. So wird in der Softwarelösung der Logistikbude die Position der Ladungsträger erfasst und somit auch bestätigt, wenn sie zurückgebracht wurden.
Geht nun ein neuer Auftrag ein, wird weiterhin ein klassischer Auftragsschein erstellt und die Ware auf einem Ladungsträger gebündelt. Die Jacob-Mitarbeiter scannen den Barcode über die App-Version der Logistikbude auf dem Handy ein und verknüpfen den Auftrag so mit dem jeweiligen Gestell, welches dann zum Galvaniseur gebracht wird. Kommt es zurück, erkennen die Mitarbeiter den Standort in der webbasierten Software bis auf sechs Meter genau. Mit der App scannen sie erneut den Barcode ein, um die Rückgabe zu bestätigen. Darüber hinaus können sie vermerken, ob Ladungsträger beschädigt wurden und ersetzt werden müssen. Werner erklärt: „Dank der Software der Logistikbude haben wir nicht nur im Blick, wann unsere Gestelle zurückgebracht werden – wir können auch genau erkennen, wie viele Ladungsträger uns aktuell für Lieferungen zur Verfügung stehen.“
Insgesamt überzeugt die Lösung aber vor allem durch ihre Einfachheit, Übersichtlichkeit und Anwenderfreundlichkeit. „Die Bedienung der Software ist so intuitiv, dass sie kaum erklärt werden muss. So ist sie für unsere Mitarbeiter direkt nutzbar“, sagt Werner. Auch den Austausch über den Verbleib der Ladungsträger habe die Software grundlegend verändert: „Die Kommunikation ist schneller, direkter und nachvollziehbar – das steigert unsere Produktivität enorm“, ergänzt er.
Offen, ehrlich, zukunftsorientiert
Nach der erfolgreichen Testphase mit den Partnerunternehmen soll das neue System nun auch für externe Lieferungen an Endkunden implementiert werden, um die Ladungsträgerverwaltung noch effizienter zu gestalten. Perspektivisch ist auch eine Anbindung an das bestehende SAP-System sowie eine Umstellung des Palettenmanagements innerhalb des Jacob-Werksgeländes denkbar. Hayden fasst zusammen: „Mit der Logistikbude haben wir gerne zusammengearbeitet, weil wir offen und ehrlich kommuniziert haben und dabei obendrein viel Spaß hatten. Der persönliche Austausch hat maßgeblich zum Erfolg des Projekts beigetragen – wir freuen uns auf die nächsten Schritte.“
















