Foto: Yale
Millimetergenaues Lasthandling

Der Schweißfachbetrieb FSK Feuerungsanlagen-Service-Kraftwerke ist für die Instandsetzung der Kohlemühlen im sächsischen Braunkohlekraftwerk Boxberg zuständig.

Dazu gehört auch die Aufarbeitung der schweren Schlagräder, die unter anderem mithilfe eines maßgeschneiderten Yale-Staplers bewerkstelligt wird. 

 

Ein Viertel der gesamten deutschen Stromerzeugung beruht heute noch auf Braunkohle, die in Braunkohlekraftwerken zu Strom verarbeitet wird. Dies geschieht unter anderem im Braunkohlewerk Boxberg, das vom Stromerzeuger und Wärmeproduzenten Vattenfall betrieben wird. Das Kraftwerk liegt mitten im Lausitzer Braunkohlerevier im Landkreis Görlitz. Bereits 1968 wurde der Grundstein für das bis weit in die 90er Jahre hinein größte Braunkohlekraftwerk Deutschlands gelegt. Das im Grundlastbereich betriebene Werk ging in den 70er Jahren mit einer Gesamtleistung von 3520 Megawatt an den Start. Die Altanlagen der Werke I und II, die noch aus DDR-Zeiten stammen, sind inzwischen stillgelegt. Hierfür liefert seit dem Jahr 2000 ein neuer 900-MW-Block (Werk IV) Braunkohlestrom. Die 500-MW-Anlagen aus den 70er Jahren (Werk III) wurden hingegen mit modernster Umwelttechnik nachgerüstet und weiterbetrieben. Mit dem Bau des 675-MW-Neubaublockes R erweiterte der Standort Boxberg im Jahr 2012 seine Stromerzeugungskapazität auf 2 575 Megawatt.

 

Bewegungsenergie zu Elektroenergie


Die Stromgewinnung beginnt mit der Anlieferung der Rohbraunkohle, die meist aus den Tagebauen Nochten und Reichwalde gewonnen wird. Über ein Förderband gelangt die Kohle ins Werk, das aus mehreren Blöcken besteht, die jeweils mit Kohlemühlen ausgestattet sind. Nach einer Vorzerkleinerung der Rohbraunkohle wird diese in die Kohlemühlen transportiert und durch Schlagplatten zu feinem Braunkohlenstaub zermahlen, bevor sie nahezu getrocknet in den Feuerraum des Dampferzeugers gelangt. Die bei der Kohleverbrennung frei werdende Wärme überträgt sich auf das Speisewasser, das sich in kilometerlangen Rohrleitungen befindet, die im Dampferzeuger angeordnet sind. Der Wasserdampf wird überhitzt und unter hohem Druck in die Turbine geleitet. Hier entspannt sich der Dampf, und die Energie wird in Bewegungsenergie umgewandelt. Da sich Turbine und Generator auf einer Welle befinden, wird die Drehbewegung auf den Induktor des Generators übertragen, der, wie der Dynamo eines Fahrrades, Bewegungsenergie in Elektroenergie umwandelt. Diese wird dann mit einer Spannung von 380 Kilovolt in das Hochspannungsnetz eingespeist, von wo aus Stadtwerke und regionale Energieversorger den Strom an Endverbraucher weiterleiten. Bei Volllast des Kraftwerkes werden täglich rund 63000 Tonnen Braunkohle benötigt.

 

Austausch der Schlagräder


Damit die Stromerzeugung reibungslos vonstattengeht, müssen alle Prozesse der Braunkohleverarbeitung störungsfrei laufen. Einer besonders hohen Beanspruchung sind dabei die Schlagräder der Kohlenmühle ausgesetzt, die die Rohbraunkohle zerkleinern. Diese müssen regelmäßig instandgesetzt werden. Hier kommt die Firma FSK Feuerungsanlagen- Service-Kraftwerke GmbH ins Spiel, die mit dieser Aufgabe betraut ist. Der Schweißfachbetrieb beschäftigt sich seit 1999 mit der Wartung und Reparatur von Kraftwerken und Industrieanlagen. Dazu gehört die fachgerechte Aufarbeitung von Baugruppen sowie die Eigenfertigung oder Beschaffung von Verschleiß- beziehungsweise Ersatzteilen. Das Unternehmen ist direkt am Standort des Braunkohlekraftwerks Boxberg angesiedelt und mit insgesamt 26 Mitarbeitern für die Instandhaltung der Kohlemühlen und deren angrenzende Baugruppen verantwortlich. Die räumliche Nähe zum Kraftwerk ist dabei entscheidend, denn FSK kann hierdurch sofort reagieren, wenn kurzfristig eine Reparatur anfällt. Diese wird dann fachgerecht in einer eigenen Werkstatt auf dem Gelände des Braunkohlekraftwerks durchgeführt. Der Verschleißgrad der Schlagräder, so weiß der FSK-Geschäftsführer Lutz Kühne, hängt unter anderem davon ab, welche Qualitäten an Braunkohle der Tagebau liefert. Dabei gilt, je höher der Sandanteil, desto niedriger sind die Laufzeiten. Um die schweren Schlagräder auszutauschen und diese von der Mühle zur Werkstatt transportieren zu können, setzt FSK Stapler ein.

 

Yale punktet mit Sonderanfertigung


Als für die Instandhaltung der 24 Mühlen in den Blöcken N und P die Anschaffung eines neuen Gabelstaplers anstand, hat FSK Angebote mehrerer Anbieter eingeholt. „Wir sind mit sehr speziellen Anforderungen an die Hersteller herangetreten“, erklärt Lutz Kühne. „Der neue Stapler sollte eine Tragfähigkeit von 16 Tonnen aufweisen und sehr robust sein, da er in sehr staubigen Arbeitsumgebungen zum Einsatz kommt. Zudem sollte er mit einem Drehsitz ausgestattet sein, da unsere Fahrer lange Strecken rückwärtsfahren müssen. Außerdem sollte das Fahrzeug neben seinen Transportaufgaben das schwere Schlagrad aus der Mühle heben und auch wieder passgenau einsetzen können. Dazu musste der Stapler mit einer speziellen Vorrichtung ausgestattet werden.“ Doch das war noch nicht alles: Das Fahrzeug sollte auch sehr kompakt und wendig sein, da der Platz in der Kohlemühle sehr begrenzt ist. Eine möglichst kurze Baulänge war gefordert sowie eine Hubhöhenbegrenzung des Mastes, die durch einen Monomast sichergestellt werden sollte.

„Es war schwierig, für die zu bewältigende Aufgabe und unsere speziellen Anforderungen überhaupt ein passendes Angebot zu bekommen“, weiß Kühne. „Es gab Hersteller, die aus der Ausschreibung ausgestiegen sind, da sie kein passendes Fahrzeug anbieten konnten. Yale hatte die optimale Lösung parat.“ Dazu Karl-Heinz Domschke, Verkaufsberater bei der Firma Yale SLT Fördertechnik, dem Yale-Händler vor Ort. „Ein Monomast oder Simplexmast ist heute nicht mehr üblich. Deshalb bieten ihn serienmäßig viele Hersteller nicht mehr an, auch Yale nicht. Aber wir haben diesen extra für FSK angefertigt.“ Der Monomast war wichtig, da FSK Anlagenteile oberhalb der Mühle warten muss. „Dieser Bereich bietet vom Platz her nicht viel Spielraum“, so Kühne „Mit einem Duplexmast, der gleich nach oben rausfährt und generell schon eine größere Bauhöhe hat, muss der Fahrer sehr aufpassen, dass er beim Heben des Mastes nicht die Anlage beschädigt. Uns reicht zudem eine Hubhöhe von zwei Meter völlig aus.“ Auch bei der Baulänge konnten die kompakten Yale-Fahrzeuge punkten. „Fast alle Hersteller bieten in dieser Gewichtsklasse Fahrzeuge mit einem Achsabstand von 3500 Millimeter an“, so Kühne „Yale konnte uns Fahrzeuge mit einem Achsabstand von 3200 Millimeter liefern. Die Gesamtlänge des Staplers ist um circa 300 Millimeter kürzer als beim Vorgängerfahrzeug. Das macht sich in einem extrem engen Arbeitsumfeld wie unserem schon bemerkbar. Zudem pflegen wir mit der SLT-Niederlassung in Heidenau eine langjährige Partnerschaft. Wir haben schon seit einiger Zeit kleinere Yale-Fahrzeuge für den Palettentransport innerhalb des Werks im Einsatz und sind mit den Staplern und dem Service sehr zufrieden.“

 

12,5 Tonnen feinfühlig und millimetergenau positionieren


Bei dem neuen Yale- Stapler handelt es sich um einen Dieselstapler der Baureihe GDP160 EC mit einer geschlossenen, beheizten Kabine und einem Drehsitz in Kombination mit Rückfahrscheinwerfern. Dieser wird für die Instandsetzung der Mühlen eingesetzt. Die Schlagräder, die dort zum Einsatz kommen, wiegen 12,5 Tonnen und weisen einen Durchmesser von rund drei Meter auf. Damit der Stapler das Schlagrad sicher aus der Mühle heben und auch wieder in die diese einsetzen kann, hat Yale das Fahrzeug mit einer speziellen Aufnahmevorrichtung ausgestattet. „Mit dieser Vorrichtung, einer Zinkenverstellung mit separatem Seitenschub sowie einer Querneigung von plus/minus sieben Grad kann das Schlagrad wieder exakt in die vorgesehene Aufhängung eingesetzt werden“, erläutert Domschke.


Für die Wartung bringt FSK das Schlagrad in den Werkstattbereich. Hier werden sämtliche Verschleißteile ausgetauscht, und das Rad wird wieder aufgearbeitet. Damit die Mühle weiterbetrieben werden kann, steht schon ein Ersatzschlagrad parat. Zwischen Werkstatt und Mühle liegt eine Distanz von circa einem Kilometer. Diese Strecke muss der Fahrer rückwärtsfahren, da ihm das Schlagrad die Sicht nach vorne versperrt. „Um den Weg zwischen Werkstatt und Mühle sicher zurücklegen zu können, ist das Fahrzeug mit einem Drehsitz ausgestattet. Der Fahrer nimmt das Schlagrad sozusagen Huckepack und kann mithilfe des ergonomischen Drehsitzes seine Fracht, sicher und ergonomisch in Fahrtrichtung sitzend, an seinen Bestimmungsort bringen.“


Der Yale-Stapler ist zudem mit einem robusten Cummins QSB 6,7l Motor ausgestattet, der die TIER 3B beziehnungsweise sogar TIER4i (interim) Abgasnorm ohne zusätzlichen Dieselpartikelfilter erfüllt. Ein hydraulischer Akkumulator verhindert bei der Fahrt auf unebenen Wegen Stöße auf die Last. Mithilfe der Motorheizung ist auch ein problemloser Start bei kalten Außentemperaturen im Winter möglich, da der Motor elektrisch vorgeheizt wird. Um den Werksvorschriften Folge zu leisten, wurde die Fahrgeschwindigkeit des Staplers auf 20 Kilometer pro Stunde limitiert.

 

Maßgeschneiderte Finanzierung


Dank eines Langzeitvertrages mit Vattenfall hat der Schweißfachbetrieb Planungssicherheit für die kommenden Jahre. Dafür wurde über Yale- Financial-Service die Finanzierung des Staplers maßgeschneidert. „Wir haben mit Yale und der Firma SLT exzellente Partner“, sagt Lutz Kühne. „Das Gesamtpaket mit einem robusten, langlebigen Stapler, einer flexiblen Finanzierung und einem sehr guten Service enthält alles, was wir brauchen, damit wir gegenüber unserem Kunden Vattenfall unser eigenes Qualitätsversprechen jederzeit halten können.“

www.yale.com

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Beitrag aus dhf 7/8.2015

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