Foto: Still
Genial automatisiert

Mit jährlich 430 Millionen Verpackungen war die Kapazität des Heuchemer Logistikzentrums erschöpft.

Gemeinsam mit STILL wurde ein neues 18 Meter hohes Kanallager mit vier Pallet Shuttle und zwei Kommissionierstaplern installiert. Durch iGoEasy werden jetzt wiederkehrende Transporte wirtschaftlich und flexibel organisiert.

DIPL. PHYS. GERD KNEHR

 


Ob Sortiereinlage für Süßwarenhersteller aus der Nahrungs- und Genussmittelindustrie oder vollautomatisch händelbare Werkstückträger für Hightech- Produkte der Automobil- und Elektronikindustrie sowie Bau und Chemie: Heuchemer Verpackung entwickelt Verpackungslösungen aller Art mittels modernster CAD-Technologie. Mit Thermofarben als auch mit Effekt- und Aromalacken werden die innovativen Produkte bedruckt und Spezialverpackungen direkt in der 3D-Konstruktion auf Funktion geprüft.


Während die Holzverarbeitung damals wie heute am Stammsitz des Unternehmens in Bad Ems erfolgt, wo das Unternehmen 1920 als Lahn- Säge- und Hobelwerk durch Carl Heuchemer gegründet wurde, befindet sich am Standort Miehlen die Produktion für die Kunststoff- und Wellpappeverpackungen. Geschäftsführer Christian Heuchemer: „Pro Jahr entwickeln, stanzen und kleben wir rund 269 Millionen Verpackungen aus Wellpappe und 160 Millionen Verpackungslösungen aus Kunststoff. Im Logistikzentrum hier in Miehlen steuern wir nicht nur die Auslieferungen, sondern auch die Materialbevorratung für die Abrufaufträge und Konfektionierungen. Durch den großen Zuwachs war die Lagerkapazität im Logistikzentrum einfach erreicht.“

 

Maßgefertigte Shuttle-Hochregallager


Sowohl in der Elektro-, Automobil- und Metallindustrie als auch in der Lebensmittelindustrie, ein Shuttle-Kanallager überzeugt vor allem durch die wirtschaftliche und optimale Nutzung des gesamten Lagerraums. Im Logistikzentrum 2 bildet das neue 18 Meter hohe Kanallager für die Roh- und Fertigverpackungen mit 10 650 Paletten-Stellplätzen auf 1 995 Quadratmeter Stellfläche eine Erweiterung des bereits bestehenden Shuttle-Lagers von STILL im Logistikzentrum 1. Durch den geringen Flächenverlust für Fahrspuren, Pufferregale und Kommissionierplätze liegt der Flächennutzungsgrad bei beachtlichen 93 Prozent. Der Leiter des Kunststoffwerks, Thomas Schmidt: „Alle Abläufe und Prozesse im neuen STILL Pallet Shuttle- Hochregallager sowie das Zusammenspiel beider Logistikzentren wurden analysiert und optimiert. Die teuren Außenläger, die wir in der Wachstumsphase benötigt haben, konnten wir bei diesem Schritt endlich auflösen.“


Als Systemintegrator plante und installierte STILL aus Hamburg nicht nur die gesamte Anlage, sondern führte auch die Feinabstimmung zwischen Shuttle, Regalen und Staplern durch. Für die Paletten mit der überstehenden und empfindlichen Fertigware aus Kartons und Kunststoffen wurden alle Regale angepasst und die Shuttles zusätzlich mit Sensoren zur dynamischen Überhangerkennung ausgerüstet. Die Lagerdichte für die Paletten mit den Überständen lässt sich hiermit um bis zu 50 Prozent erhöhen. Die aktuellen Sicherheitsvorschriften werden dabei selbstverständlich eingehalten.


„In einer nächsten Stufe haben wir jetzt die ständig wiederkehrenden Transporte zur Produktionsentsorgung und Pufferbereitstellung mit dem iGoEasy-System von STILL automatisiert. Unsere Mitarbeiter können sich so auf komplexere Tätigkeiten konzentrieren. Mit iGoEasy, den zusätzlich integrierten Fördertechniken im Pufferregal sowie mit der variablen Anzahl der Shuttle im Hochregallager haben wir einen ersten wesentlichen Schritt zur Automatisierung unserer Prozesse getan und sind bestens gerüstet, in Zukunft weitere Teilbereiche unserer Intralogistik zu automatisieren. Dank der schrittweisen Automatisierung und sukzessiven Prozessoptimierung schonen wir unsere internen Ressourcen“, so Thomas Schmidt.


Folgende Intralogistik Komponenten wurden aus einer Hand realisiert:

– 1 x 18 Meter hohes Kanalregalsystem mit mehr als 750 Kanälen für 10 650 Stellplätze auf rund 2 000 Quadratmeter Stellfläche mit 93 Prozent Flächennutzungsgrad. Auslegung des Regalsystems für Paletten mit Überständen der empfindlichen Ware.

– 4 x STILL Pallet Shuttle mit jeweils einem Sensorik System zur dynamischen Überhangerkennung der Waren auf der Palette, eine Sonderausstattung der halbautomatischen Shuttle-Systeme.

– 2 x Schmalgang-Kommissionierstapler vom Typ MX-X.

– 1 x iGoEasy fahrerloses Transportsystem: automatisierter STILL EGV-S Hochhubwagen zur Produktionsentsorgung und Bereitstellung im Pufferlager sowie

– Systemintegration der einzelnen Komponenten zu einem ganzheitlichen und funktionierenden Intralogistik-System.

 

iGoEasy System: wirtschaftlich und flexibel


Erst bei komplexen Automatisierungslösungen rechnen sich sowohl der Investitionsaufwand für die benötigte Hard- und Software als auch die Personalkosten zur Planung und Installation der Anlagen. Das iGoEasy-System von STILL ist weltweit die erste Automatisierungslösung für einfache und standardisierte Aufträge eines automatisierten Einzelfahrzeugs, die eine komplette Konfiguration, Steuerung und Überwachung per iPad ermöglicht.


Mehr noch: Das System kann selbstständig installiert und zu einem späteren Zeitpunkt an neue Rahmenbedingungen angepasst werden. Die minimale Infrastruktur des iGoEasy bietet die Flexibilität, um das Gerät einfach in den bestehenden Prozessablauf zu integrieren. Infrastrukturelle Anpassungen werden so auf ein Minimum reduziert. Investitionen in IT und Anbindung an das überlagerte Warenwirtschaftssystem ist nicht notwendig, das heißt keine hohen Folgekosten bei Prozess- oder Produktionsumstellungen. Außerdem garantiert das iGoEasy-System von STILL eine spätere Integration in eine komplexe Automatisierungslösung.

 

Automatisierter Transport


Die unterschiedlichen Fertigwarenprodukte der Produktionsanlagen verlassen nach der Reihenfolge der Fertigstellung die Produktionshalle über nur eine Rollenbahn. Am Ende dieser Bahn ist der Entnahmeplatz für das iGoEasy-Fahrzeug. Von dort aus verbringt der automatisierte Hochhubwagen die Ware sortenrein an die passende Förderstrecke. Dafür wurde pro Produktionsanlage jeweils eine Förderstrecke in die untersten Ebenen des bereits existierenden Pufferlagers installiert. Mit Hilfe des EGV-S werden die Förderstrecken nach dem FiFo-System mit Paletten bestückt. Diese werden anschließend mit dem MX-X-Stapler entnommen und in das Shuttlelager verbracht. Der Projektleiter für die Neustrukturierung der Intralogistik, Christian Brassat: „Das Shuttlelager ist zur Einlagerung größerer Chargen ausgelegt. Eine sortenreine Pufferung der Fertigwarenartikel ist deshalb zuvor zwingend notwendig. Aus diesem Grund ist das iGoEasy-Fahrzeug von STILL eines der wichtigsten Glieder in der gesamten Logistikkette und bietet einen kostengünstigen Einstieg in die Automatisierung, die künftig schrittweise fortgesetzt werden kann.“


Über einen Scanner an der Fördertechnik und eine speziell entwickelte Software erhält der EGV-S den Fahrauftrag. „Im iGoEasy- Standard ist dieses Feature nicht enthalten: Mit dieser auf unsere Bedürfnisse hin angepassten Neuentwicklung haben wir uns schließlich für das iGoEasy-System von STILL entschieden“, betont der Projektleiter.

 

Automation einfach und flexibel


Beim iGoEasy-System wird der Hochhubwagen EGV-S mit allen Automatisierungskomponenten ausgestattet, das heißt einem Fahrzeugrechner und der Sensorik zur Navigation sowie Palettenerkennung. Reflektoren werden entlang des Fahrweges installiert und per iPad mit der iGoEasy App eingelesen. Die Personenschutzanlage verhindert Unfälle. Front- und Rückkamera übertragen die Sicht auf den Fahrweg in das virtuelle Cockpit der App. Das iGoEasy-System kann von jedem Nutzer mit Hilfe der speziell entwickelten iGoEasy-App selbstständig installiert und an sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst werden. Anhand des intuitiven User Interface leitet die App durch alle Schritte der Automatisierung, das heißt von der Einrichtung des Systems, der Transportauftragsabwicklungen bis zur Überwachung des Fahrzeugs. Montierte Reflektoren entlang des Fahrwegs dienen zur Navigation des Fahrzeugs. Die einzelnen Quell- und Zielstationen werden mit dem Fahrzeug abgefahren und per Fingertip auf dem iPad gespeichert. Während dieser Phase werden alle Fahrwege aufgezeichnet, die das Fahrzeug später selbst zurücklegen soll. Im Anschluss legt der Bediener über den Touchscreen mit einzelnen Streckenelementen entlang der vorgegebenen Punktwolke den finalen Fahrweg fest und verbindet die einzelnen Stationen per Drag- and- Drop miteinander.


Individuelle Einstellungen, wie Tempolimits oder Einbahnstraßen, lassen sich selbsterklärend konfigurieren. Auf dem virtuellen Cockpit zeigt die Live-Kamera, was auf dem Fahrweg passiert. Auch die Position des Fahrzeugs wird auf einem interaktiven Lagerplan angezeigt. Wichtige Daten, wie Akkuladung, Geschwindigkeit und Transportaufträge, werden übersichtlich in Info-Grafiken dargestellt. Ferner können mit der drahtlosen Verbindung alle erwähnten Funktionen an jedem Punkt im Sendebereich des WLAN gesteuert, Transportaufträge editiert und eine Übersicht generiert werden.

 

Fazit und Zukunft


Heuchemer Verpackung ist mit dem STILL Pallet Shuttle-Hochregallager für weiteres Wachstum bestens gewappnet. Kostenintensive Außenläger konnten aufgelöst werden. Wirtschaftliche Automatisierung mit iGoEasy-Systemen sind heute auch dort möglich, wo früher der Warentransport nur mit einem manuell geführten Fahrzeug sinnvoll war. Der Nutzer kann alle Schritte einer Automatisierung von der Einrichtung bis zum produktiven Betrieb selbst durchführen. Erstmalig wird dabei ein Flurförderzeug per iPad konfiguriert, gesteuert und überwacht. Thomas Schmidt resümiert zufrieden: „In dieser Komplexität gab es keine Logistiklösung von der Stange. Ein Höhepunkt war sicherlich die Projektumsetzungsphase. Mit der großen Erfahrung ist STILL auch für unerwartete und kleinere Herausforderungen der ideale Partner. Hand in Hand wurden so immer schnell Lösungen gefunden, und der zuvor definierte Projektplan sogar tagesgenau eingehalten. Mit der Automatisierung der neuen Generation der Schmalgangstapler wollen wir bereits in naher Zukunft die Partnerschaft mit STILL weiter ausbauen.“

www.still.de

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Beitrag aus dhf 6.2015

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