Foto: Witron
Logistiklösung als Basis für zukünftiges Wachstum

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, vollzieht die spanische Supermarktkette Condis aktuell einen wichtigen Schritt: Weg von einer konventionellen Lagerlogistik, hin zu einem hochdynamischen, automatisierten Logistik- und Kommissioniersystem.

Die Entscheidung fiel für die im Lebensmitteleinzelhandel erfolgreichen Systeme OPM und DPS, geplant und realisiert durch den deutschen Generalunternehmer Witron Logistik + Informatik. 


Der spanische Lebensmittelhandel ist geprägt von starken, leistungsfähigen Wettbewerbern, die permanent in die Verbesserung ihrer Produktivität investieren. Ziel dabei ist es, Betriebskosten zu minimieren, den Servicegrad für die Kunden weiter zu steigern und attraktive Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter in den Distributionszentren zu schaffen. Um diese komplexen Anforderungen erfolgreich umzusetzen, erhielt Witron aus Parkstein Ende 2011 von Condis den Auftrag für die Automatisierung des bestehenden Logistikzentrums in der Stadt Montcada i Reixac nahe Barcelona. Von diesem Standort aus werden seit Herbst 2013 über 350 Filialen in den Regionen Katalonien mit einem Trockensortiment von gut 4 500 Artikeln beliefert. Zudem bietet sich hier großes Erweiterungspotenzial, wie etwa durch das E-Commerce- und Multi- Channel-Geschäft. Dank der Witron-Systeme OPM und DPS besteht für jegliches Wachstum totale Flexibilität.


Inklusive der manuellen Bereiche hat die Anlage eine Fläche von 31 700 Quadratmeter. Der automatisierte Logistikbereich beinhaltet in etwa 4700 Quadratmeter. An einem Spitzentag werden in Summe gut 140 000 Versandeinheiten kommissioniert. Als Generalunternehmer war Witron für die Konzeption und Umsetzung aller Materialfluss-, IT-Systeme (WMS und MFC), Steuerungssysteme (PLC) und Mechanikkomponenten verantwortlich. Sämtliche Fördertechnikelemente und Regalbediengeräte wurden von der Witrin-Tochter FAS entwickelt und hergestellt. Ein Witron-On- Site-Team mit elf Mitarbeitern gewährleistet direkt vor Ort rund um die Uhr eine permanent hohe Verfügbarkeit der Logistikanlage und kümmert sich um alle anfallenden Service- und Wartungsaufgaben.

 

Integration in bestehendes System


Eine zentrale Herausforderung für Witron bei Condis war, das neue automatisierte Witron- Logistik-System, das hauptsächlich für die Kommissionierung von B- und C-Artikeln genutzt wird, zum einen in ein bestehendes Gebäude zu installieren ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen sowie mit dem vorerst weiterhin manuell betriebenen Schnelldreher-Bereich softwaretechnisch zu kombinieren. Zum anderen sollte das schon vorhandene Hochregallager weiter genutzt und in die neuen Logistikprozesse integriert werden.


„Bisher hatten wir keinerlei praktische Erfahrung mit automatisierten Logistikprozessen und haben wie eine Vielzahl von mittelständischen spanischen Lebensmitteleinzelhändlern mit manuellen Pick-by- Voice-Systemen gearbeitet“, sagt Condis- Logistikchef Victor Escanciano. „Doch mit Blick in die Zukunft wollten wir unbedingt etwas ändern, weil wir sicher sind, dass wir die kommenden Herausforderungen in unserer Branche nur noch mit Hilfe eines automatisierten Systems wettbewerbsfähig und wirtschaftlich lösen können.“ Besonderes Augenmerk legte Condis hinsichtlich der Systemauswahl vor allem auf die Steigerung der Effizienz in den logistischen Abläufen, die Reduzierung der Logistikgesamtkosten, eine hohe Kommissionierqualität, und die Vermeidung von Produktschäden. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Entscheidung war auch, dass bestehende Ressourcen, wie beispielsweise die vorhandenen Gebäudeflächen, noch effizienter genutzt werden können.


Mehr als die Hälfte der über 400 Condis- Supermärkte sind kleine, stark frequentierte Innenstadtlagen, die von Franchisenehmern betrieben werden. Diese stellen hinsichtlich der Belieferung ganz andere Anforderungen an die Logistik als beispielsweise die eigenen großen Filialen von Condis. „Doch auch unterschiedlichste Rahmenbedingungen, wie etwa spezielle Shop-Layouts, Kleinmengenlieferungen oder eine individuelle Festlegung des Maximalgewichts können durch das exakte Stammdaten-Handling mit OPM oder DPS für jeden Kundenauftrag flexibel umgesetzt werden“, berichtet Victor Escanciano. Herausforderungen gab es für Witron auch bei der Logistikplanung. Aufgrund von lokalen Bauvorschriften durfte eine Gebäudehöhe von zwölf Metern nicht überschritten werden. Ebenso war die Gebäudefläche fest definiert, auf der die automatisierten Logistikkomponenten implementiert werden sollten. Und zu guter Letzt musste die Inbetriebnahme parallel zum Betrieb des Altsystems erfolgen, ohne die Auslieferung in die Märkte zu beeinträchtigen.

 

Filialgerechte Kommissionierung mit OPM und DPS


Witron setzt bei Condis seine beiden Systemlösungen „Order Picking Machinery (OPM)“ und „Dynamic Picking System (DPS)“ ein. „Nach intensiver Analyse des vorhandenen Artikelspektrums, der Umschlaghäufigkeit sowie der Auftragsstruktur verspricht diese Kombination die höchstmögliche Effizienz, die niedrigsten Kosten per Pick sowie den kürzesten Return- on-Investment (ROI)“, erklärt Witron- Business Development Manager Jose Luis Fernandez.


Kleinvolumige Artikel werden im Behälter- Kommissioniersystem DPS nach dem Prinzip „Ware-zum-Mann“ beziehungsweise „Mann-zur-Ware“ kommissioniert. Die Artikel befinden sich, abhängig von der Auftragsstruktur, permanent beziehungsweise bedarfsgerecht in der Pickfront, wodurch diese stets optimiert ist. Der Nachschub in die Kommissioniergasse erfolgt ausschließlich systemgesteuert durch Regalbediengeräte, ebenso die Rückführung von aktuell nicht für die Kommissionierung benötigter Produkte. Die Klassifikation der Artikelstruktur wird durch DPS kontinuierlich überprüft und angepasst. Aufgrund der statischen und dynamischen Bereitstellung der Lagerartikel verkürzen sich die Laufwege der Mitarbeiter um bis zu 75 Prozent. Die Ergonomie spielt bei allen Prozessen eine zentrale Rolle.


Das DPS-System bei Condis besteht aus einem eingassigen AKL mit 5 100 Behälterstellplätzen. An drei Kommissionier-Arbeitsplätzen kommissionieren die Mitarbeiter, geführt durch ein Pick-by-Light-System, die Artikel direkt vom Lagerbehälter in den Kundenauftragsbehälter. „Für uns ist das DPS das ideale System, um kleinvolumige Artikel auf kleinster Fläche teilautomatisiert mit hohem Durchsatz zu kommissionieren“, sagt Logistikleiter Victor Escanciano.


Handelseinheiten kommissioniert Condis mit Hilfe des patentierten Witron-OPM-/ COM-Systems, welches ein vollautomatisches Produkthandling vom Wareneingang bis zum Warenausgang weitestgehend ohne Personaleinsatz ermöglicht. Denn durch die COM-Technologie werden die Auftragspaletten/ Auftragsrollcontainer sozusagen vollautomatisch produziert. Statt zu greifen, schieben die COMs die Artikel exakt auf die vom System via Schlicht-Algorithmus berechnete Position der Auftragsrollcontainer. Der gesamte Vorgang läuft sensorüberwacht, um eine hohe Verfügbarkeit sicherzustellen. Dabei werden die Artikel im gesamten Prozess produktschonend getragen oder geschoben, da herkömmliche Greiftechniken die Bandbreite automatisch kommissionierfähiger Waren enorm einschränken.


Zu Beginn des OPM-Prozesses bei Condis werden sortenreine Vollpaletten aus einem manuellen Palettenlager mittels einer Konturenkontrollstation vollautomatisch auf Art, Menge, Gewicht und Größe kontrolliert. Ebenso überprüft das OPM-System Palettenbeschaffenheit und Verpackungsqualität. Anschließend werden die Artikel lagenweise depalettiert, mit Trays unterschiedlicher Größe „verheiratet“, in vorgelagerten Fine- Tuning-Prozessen mechanisiert sortiert und vor der filialgerechten Kommissionierung wieder vom Tray getrennt. Sind die Paletten beziehungsweise Rollcontainer fertig kommissioniert, schleust das OPM-System diese an die Wickelstationen aus, wo sie mit Folie gesichert werden. Dann werden die Paletten über ein Fördertechniknetzwerk Richtung Warenausgang in einen Pufferbereich befördert, mit weiteren Kundenaufträgen tourengerecht konsolidiert und stehen anschließend für den Versand bereit. Eine Auftragskonsolidierung von bereits im DPS kommissionierten Behältern mit OPM-Artikeln ist mittels der COM problemlos möglich.


Bei Condis sind derzeit sechs COM-Maschinen im Einsatz, mit welchen an einem Spitzentag bis zu 60 000 Handelseinheiten ohne Personaleinsatz vollautomatisch, filialgerecht und fehlerfrei auf Rollcontainer kommissioniert werden können. Vorgeschaltet ist ein zwölfgassiges Tray-AKL mit 129 000 Stellplätzen. Ein zukünftiger Ausbau auf acht COM-Maschinen wurde in der Planung bereits berücksichtigt.

 

OPM bei jeder Durchsatzgröße flexibel einsetzbar


„Mit dieser hochautomatisierten Logistiklösung schaffen wir bei Lebensmitteleinzelhändlern enorme Mehrwerte innerhalb der gesamten Prozesskette. Beginnend bei Lieferanten, über das Distributionszentrum, dem Transport, bis hin in die Filiale“, so Witron-Manager Jose Luis Fernandez. „Ebenso ist die Lösung für Lebensmittelnzelhändler aller Größenkategorien wirtschaftlich sehr interessant. Denn es spielt für OPM keine Rolle, ob die Technologie im Trockensortiment, Frischebereich oder im Tiefkühlbereich zum Einsatz kommt, das Artikelspektrum aus nur 300 oder fast 18 000 verschiedenen Artikeln besteht, ob drei COMs oder über 70 COMs an einem Standort kommissionieren oder ob pro Tag 13 000 oder fast 600 000 Handelseinheiten ausgeliefert werden“, erklärt Fernandez. „Für jede Aufgabenstellung findet Witron eine passende Lösung“.


Pro COM-Maschine sind Kommissionier- Spitzenleistungen von circa 500 Handelseinheiten pro Stunde möglich. Gleichzeitig sind mit OPM geschlichtete Auftragspaletten beziehungswesie Auftragsrollcontainer bis zu 20 Prozent dichter gepackt, wodurch auch bei den Transportkosten gespart werden kann.

 

Strategischer Meilenstein


„Dieser Paradigmenwechsel, weg von einer rein manuell betriebenen Logistik, hin zu einer automatisierten Lösung, stellt für uns als Multi- Channel-Anbieter einen strategischen Meilenstein dar“, sagt Condis-Logistikleiter Victor Escanciano. „Wir profitieren von einer deutlichen Effizienzsteigerung in der Logistik, sowohl im automatisierten Bereich, als auch in den manuellen Bereichen. Positive Auswirkungen sehen wir vor allem hinsichtlich Flexibilität, Schnelligkeit, Verfügbarkeit, Qualitätssteigerung und beim Filialservice“. 

www.witron.de

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Beitrag aus dhf 4.2015

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