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82 dhf Ratgeber Recht Gefährliche Retouren managen In einem Versandlager müssen nicht nur Aussendungen, sondern auch eingehende Rücksendungen störungsfrei verarbeitet werden. Wird Ware zurückgesandt, die Gefahrgut darstellt, muss diese mit großer Sorgfalt behandelt werden – wenn man sie denn erkennt.   4.2018 Anja Falkenstein ist als Rechtsanwältin in Karlsruhe tätig und schreibt zu Themen an der Schnittstelle Logistik/Recht.   Zur Autorin Während beim Aussenden der gefährlichen Waren der Versender professionell für die richtige Handhabung und Auszeichnung sorgen kann, ist für die Rücksendung allein der Kunde verantwortlich – und damit ein gefahrgutrechtlicher Laie. Für das Lager oder Logistikzentrum als Empfänger der Rücksendung birgt dies ein besonderes Risiko. „Nur wenn Gefahrgutsendungen als solche zu erkennen sind, können die zu beachtenden zusätzlichen Gefahrgut und auch Lagervorschriften berücksichtigt werden“, sagt Dunja Kuhlmann, Sprecherin von Deutsche Post DHL. „Durch die korrekte Kennzeichnung sind alle Personen, durch deren Hände eine Sendung während des Transportprozesses geht, informiert und sensibilisiert.“ Gesetzliche Regelungen für Transport und Lagerung Den Transport von Gefahrgut, und zwar sowohl Hinweg zum Kunden als auch Rückweg ins Warenlager, regeln zahlreiche Gesetze, allen voran das Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR). Innerhalb des Lagers wiederum greifen weitere spezifische Gefahrgutregelungen, etwa die CLP-Verordnung, die Gefahrstoffverordnung oder die technischen Regeln zur Lagerung von Gefahrstoffen TRGS 510. Retoure professionell vorbereiten Der Versender minimiert sein Risiko, wenn er die regelkonforme Gefahrgutrücksendung gut vorbereitet. Eine passende, stabile und richtig gekennzeichnete Verpackung wird der Kunde gerne für die Rücksendung wiederverwenden. Bereits mit der Warensendung sollte er die Bezeichnung des Gefahrguts, die Gefahrgutklasse und die richtige UN-Nummer erfahren. „Unternehmen arbeiten immer mehr mit beigelegten Informationsblättern oder vorgefertigten Rücksendeaufklebern inklusive der geforderten Kennzeichnung“, weiß DHL-Sprecherin Kuhlmann. Besonders gefährliche Warengruppen Neben Modeartikeln und Büchern werden besonders häufig Elektronikprodukte im Internet bestellt und retourniert. Hier treten häufig gefahrgutrechtliche Probleme auf. Für Lithium-Batterien, wie sie etwa Mobiltelefone enthalten, wurde 2017 ein einheitliches Kennzeichen für die Verpackung eingeführt, dessen Verwendung ab 2019 Pflicht wird. Besonders leistungsstarke Batterien, etwa ein Akku für ein E-Bike, benötigen einen besonderen Gefahrzettel, eine separate UN-Nummer und besondere Schriftgrößen auf der Verpackung. Aber auch etliche Konsumgüter sind Gefahrstoffe, zum Beispiel Haarspraydosen, Reinigungsprodukte wie Abflussreiniger oder Grünbelagsentferner, Farben und Lacke, auch Silvesterknaller. Schadhafte Rücksendungen Nicht selten sind in Rücksendungen beschädigte Waren enthalten, je nach Warengruppe in 25 bis 35 % aller Fälle. Was bei modischer Kleidung lediglich ein Kalkulationsposten ist, kann bei beschädigten Gefahrgütern ein enormes Risiko für Mensch und Umwelt darstellen, man denke nur an ätzende oder umweltgefährdende Flüssigkeiten in undichten Behältern. Eine große Explosions und Brandgefahr geht von schadhaften Lithiumbatterien aus. Beim Wareneingang im Logistikzentrum müssen deshalb Retourensendungen, die eine entsprechende Kennzeichnung aufweisen, besonders auf offensichtliche Beschädigungen der Verpackung untersucht werden. Dafür ist gut geschultes Personal bereitzustellen. Wer dies als Geschäftsführer oder Gefahrgutbeauftragter schuldhaft unterlässt, dem droht bei Unfällen mindestens ein Bußgeld, aber auch eine strafrechtliche Verurteilung ist möglich. (Foto: Anja Falkenstein)


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