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82 dhf Ratgeber Recht Lager: brandgefährlich Lager sind für Brände besonders anfällig. Hochbauweise, verdichtete Lagerung und viele unterschiedliche Brandlasten begünstigen die Ausbreitung von Feuer. Auch die zunehmende Automatisierung bringt Risiken. Brandschutz muss sich deshalb auf präventiver, baulicher, technischer und organisatorischer Ebene abspielen. Automatisierte Hochregallager können so steril aussehen, dass man sich etwas so Anarchisches wie ein Feuer dort kaum vorstellen kann. „Tatsächlich spielen Defekte an elektrischen Anlagen als Brandursache eine zentrale Rolle”, erklärt Martina Thomas, Brandschutzbeauftragte der Universität Stuttgart und Co-Autorin einer Publikation über betrieblichen Brandschutz. Zündereignisse wie Explosionen, Überhitzung und Funkenschlag wirken sich auch in modernsten Lagern verheerend aus. Denn dort lagern jede Menge Brandlasten in Gestalt von brennbaren Materialien. Thomas: „Die kompakte Lagerung in vertikaler und horizontaler Ausrichtung beschleunigt ein mögliches Feuer und erschwert eine schnelle und effektive Brandbekämpfung, unter anderem aufgrund der räumlichen Enge und wegen herabfallender Teile.“ Baurechtliche Anforderungen Hier setzt der bauliche Brandschutz an, der sich vor allem aus den Landesbauordnungen sowie den Vertragsbedingungen der Feuerversicherer ergibt. Abstandsflächen eines Gebäudes, Statik unter Hitzeeinwirkung, baulich getrennte Brandabschnitte, nicht brennbare Baustoffe und Türen, Feuerwehrzufahrten   1/2.2018 Anja Falkenstein ist als Rechtsanwältin in Karlsruhe tätig und schreibt zu Themen an der Schnittstelle Logistik/Recht.   Zur Autorin sowie Flucht- und Rettungswege sind hier festgelegt. Bei jedem Neu- oder Umbau ist ein schlüssiges Brandschutzkonzept Voraussetzung für die Erteilung der Baugenehmigung. Es müssen unter anderem technische Anlagen, die einen Brand erkennen, melden, löschen und für die Entrauchung sorgen, eingeplant sein. Die Details regelt dann eine Vielzahl von technischen Verordnungen. Arbeitsschutzrechtliche Aufgaben Weitere Anforderungen ergeben sich aus dem Arbeitsschutzgesetz und den Unfallverhütungsvorschriften der Unfallversicherungsträger. Dreh- und Angelpunkt des betrieblichen Arbeitsschutzes ist die Gefährdungsbeurteilung. Demnach hat der Arbeitgeber die Gefahren, die in seinem Unternehmen für die Beschäftigten entstehen können, realistisch einzuschätzen und erforderliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Zu diesen Gefahren gehört auch der Ausbruch eines Feuers. Der Arbeitgeber muss also die spezifischen Brandrisiken erkennen und seine Mitarbeiter entsprechend schützen, und zwar nicht nur durch Feuerlöscher und ausgehängte Fluchtpläne. Behörden oder Versicherer können aufgrund eines erhöhten Gefährdungspotenzials des Betriebes einen Brandschutzbeauftragten verlangen. Zumindest müssen speziell geschulte Brandschutzhelfer in jedem Betrieb ausreichend vorhanden sein (mindestens fünf Prozent der Beschäftigten). Typische Risiken im Lagerbetrieb Eine klassische Gefahrenquelle stellen Ladegeräte für Elektrostaplerbatterien dar. Der elektrochemische Ladevorgang findet häufig außerhalb der Arbeitszeit und damit unbeaufsichtigt statt. Hier sind Abstandsregeln zu brennbaren Materialien einzuhalten, ganze Ladestationen mit mehreren Geräten in separaten, feuergehemmten Räumen unterzubringen. Auch von Verpackungsmaschinen, die mit Folienschrumpfen oder Wickelfolie und Heißdrahtschneider arbeiten, geht ein lagertypisches Brandrisiko aus. Wie bei allen technischen Geräten kann eine möglichst tägliche Kontrolle der Funktionsfähigkeit das Risiko minimieren. Auch Außengelände absichern Erschreckend oft entsteht ein Feuer durch Brandstiftung. „Nicht für ausreichende Zugangskontrollen und eine vernünftige Sicherung sowohl des Gebäudes als auch des Geländes zu sorgen, ist ein häufig begangener Fehler“, weiß auch Expertin Thomas. Sie regt an, ohnehin beim Brandschutz das Außengelände mehr im Blick zu haben, denn es birgt besondere Gefahren. „Oft werden, auch bei Lagern, die im laufenden Betrieb anfallenden Brandlasten im Außenbereich nicht ausreichend berücksichtigt.“ Wer beim Brandschutz schludert, riskiert seinen Versicherungsschutz. (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)


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