Foto: Anja Falkenstein
Gut verpackt für lange Lieferketten

Für eine ausreichende Transportverpackung hat laut Gesetz der Absender einer Ware zu sorgen. Bei einer globalen Supply Chain muss er die Belastungen durch Lkw, Schiff, Flugzeug und Schiene berücksichtigen. Kommt es zu einem Schaden, ist oft fraglich, wer haftet.

 

Immer dann, wenn die Lieferkette lang ist, kommen beim Transport regelmäßig auch mehrere Verkehrsträger zum Einsatz. Den Absender des Transportguts trifft dabei von Gesetzes wegen die Pflicht, sich über die zu erwartenden Einwirkungen auf den Transport zu informieren. Ist absehbar, dass seine Sendung im kombinierten Verkehr transportiert wird, bei dem ein Umschlag von einem Transportmittel auf das nächste notwendig ist, muss er entsprechend für eine umschlagssichere Verpackung sorgen. Die Verpackung muss so ausgestaltet sein, dass sie einen wirkungsvollen Schutz vor den erhöhten Belastungen durch die Umladevorgänge bietet. Denn genau diese Vorgänge, die meist per Hubwagen oder Kran ausgeführt werden, sind es, die am häufigsten zu Beschädigungen am Transportgut führen.

 

Für den anspruchsvollsten Verkehrsträger packen


Doch damit nicht genug: „Jeder einzelne Verkehrsträger hat seine speziellen Herausforderungen, die es zu lösen gilt“, sagt Markus Linke, Leiter Projektmanagement bei DB Schenker Europac. Beim Bremsen und Beschleunigen eines Lkw, beim Rollen und Stampfen eines Schiffes, beim Starten und Landen eines Flugzeuges wirken jeweils ganz unterschiedliche Kräfte. Und auch die klimatischen Bedingungen sind zu Lande, zu Wasser und in der Luft verschieden. Der Absender sollte sich deshalb die Faustformel zu Herzen nehmen: „Immer für den anspruchsvollsten Verkehrsträger packen“. Neben der Transportart können auch die Produkt- und Materialeigenschaften des Transportguts spezielle Anforderungen an die Verpackung stellen. „Metallteile, die keine hohe Luftfeuchtigkeit vertragen oder Produkte aus dem Pharmabereich, die innerhalb eines bestimmten Temperaturkorridors transportiert werden müssen“, nennt Experte Linke als Beispiele für besonders anspruchsvolle Fracht.

 

Warenfachmann oder Frachtführer


Das Handelsgesetzbuch (HGB) sieht in dem Absender einer Ware denjenigen, der deren Beschaffenheit und Widerstandsfähigkeit am besten kennt. Als Warenfachmann hat er sein Gut gemäß § 411 HGB so zu verpacken, dass es vor Verlust und Beschädigung geschützt und sicher verstaut ist. Zwar haftet laut HGB grundsätzlich der Frachtführer für Schäden am Transportgut, es sei denn, das Gut war unzureichend verpackt, dann ist der Absender oder Verpacker in der Haftung. Denn bei einem tatsächlichen Verpackungsmangel unterstellt das Gesetz mittels einer sogenannten Beweislastumkehr, dass dieser Mangel auch für den eingetretenen Schaden ursächlich war.


Zwischen den Beteiligten entsteht an dieser Stelle oft Streit, sodass umfangreiche und kostspielige Sachverständigengutachten notwendig werden. Dabei ist auch zu ermitteln, auf welchem Transportabschnitt beziehungsweise Verkehrsträger genau die Ware beschädigt worden ist. Der Absender ist deshalb gut beraten, bei langen Lieferketten mit elektronischen Messgeräten zu arbeiten. Diese Datalogger messen und protokollieren etwa Temperaturen, Schockeinflüsse oder das Öffnen und Schließen von Türen und leisten somit einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung von Transportschäden.

 

Folgeschäden vermeiden


Eine unzureichende Verpackung kann das Transportgut selbst beschädigen, darüber hinaus – man denke nur an eine Flüssigkeit wie Fischöl – aber noch weit größeren Schaden anrichten, etwa an der übrigen Ladung oder am Verkehrsträger. Unternehmen, die für ihre Kunden neben dem Versenden auch das Verpacken übernommen haben, sollten deshalb überprüfen, ob ihr Versicherungsschutz solche Verpackungsschäden mit abdeckt.

 

Beitrag aus dhf 4.2017

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