Foto: Pfenning Logistics
Höchste Sicherheitsvorkehrungen

Gefahrstofflager stellen eine enorme Gefahr für Mensch und Umwelt dar. Was dort lagert, kann Explosionen verursachen, Luft, Wasser oder Erdreich verunreinigen und schwere Verletzungen oder Krankheiten auslösen. Gefahrstoffrecht, Baurecht, Wasserrecht, Chemikalienrecht und Arbeitsschutzrecht versuchen, dies zu verhindern – jedes auf seine Art.


Ein einheitliches Gefahrgutlagergesetz existiert nicht, nur eine Vielzahl von Einzelregelungen, über verschiedenste Rechtsgebiete verstreut. Mit der Materie befassen sich unter anderem die europäische CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packaging), das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG), das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS).

 

Einteilung in Lagerklassen


Am aufschlussreichsten sind die technischen Regeln zur Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern (TRGS 510). Sie gelten für alle Arten von Gefahrstoffen, die passiv gelagert werden. Welche Dimensionen das erreichen kann, erläutert Matthias Schadler, Geschäftsführer von Pfenning Logistics: „An unserem Logistikzentrum in Heddesheim bei Mannheim unterhalten wir mit über 65000 Paletten das weltweit größte Außenlager eines namhaften Chemiekonzerns aus der Region“, sagt er. Verteilt auf mehrere Standorte im Rhein-Neckar-Raum lagert das Unternehmen insgesamt rund 85000 Paletten mit brennbaren Flüssigkeiten, ätzenden Produkten sowie umwelt- und wassergefährdenden Stoffen auf speziellen Chemiepaletten, zumeist im Hochregal.


Wie und wo ein Stoff oder ein Gemisch ganz konkret zu lagern ist, sagt dessen Lagerklasse. Die Lagerklasse wiederum hängt davon ab, in welche Gefahrklasse der CLP-Verordnung die Substanz fällt – eine Information, die sich aus dem Sicherheitsdatenblatt und der entsprechenden Kennzeichnung am Produkt ergeben muss. Die einzelnen Lagerklassen unterscheiden sich etwa durch Mengenbegrenzungen pro Lagerabschnitt, einzuhaltende Sicherheitsabstände und bauliche Voraussetzungen. Zusammenlagerungsverbote sollen verhindern, dass zusätzliche Gefahren durch das zufällige Zusammenwirken zweier Stoffe entstehen oder im Brandfall das falsche Löschmittel zum Einsatz kommt.

 

Hohe baurechtliche Anforderungen


Überhaupt spielt der Brandschutz eine große Rolle im Gefahrstofflager. Viele baurechtliche Erfordernisse aus den jeweiligen Landesgesetzen dienen dazu, die Brandlast möglichst minimal zu halten. Je nach Lagerklasse müssen beispielsweise feuerbeständige Raumabtrennungen installiert sein oder etwa der Boden mit Löschwasser-Rückhaltesystemen und Auffangwannen ausgestattet sein.


Wie höchste Sicherheitsanforderungen aussehen können, zeigt das Beispiel radioaktive Stoffe. Pfenning Logistics lagert zwar selbst kein radioaktives Material, Geschäftsführer Schadler kennt aber die hohen Anforderungen: „Hier benötigen Sie neben einer speziellen Immobilie auch ganz strikte Sicherheitssysteme, sehr dicke Betonmauern, eine spezielle Brandbekämpfung, dunkle Räume, Schutzanzüge sowie ein Screening-System der Strahlenbelastung vorher/nachher“, erläutert er.

 

Schutz der Mitarbeiter


Neben Gefahrstoff-, Umwelt- und Baurecht stellt auch das Arbeitsschutzrecht, das insbesondere dem Schutz der Mitarbeiter dient, besondere Anforderungen an ein Gefahrstofflager. Die Lagerung muss absolut absturzsicher erfolgen. Umfangreiche Überwachungssysteme sind zu installieren und in Stand zu halten. Für bestimmte Lagerbereiche/Lagerklassen sind Zugangsbeschränkungen einzurichten. Eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung, die entsprechende Unterweisung der Mitarbeiter, ihre Ausstattung mit geeigneter Schutzausrüstung sowie das Vorhalten von Registern und Datenblättern sollten allerdings nicht nur im Gefahrstofflager selbstverständlich sein.


 

Beitrag aus dhf 11.2016

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