Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung

Laut Gesetz obliegt jedem Unternehmer die Pflicht, für den richtigen Arbeitsschutz in seinem Betrieb zu sorgen. Lagerbetreiber müssen die spezifischen Gefährdungen erkennen, die richtigen Schutzmaßnahmen auswählen und all dies dokumentieren. Bei Nichtbeachtung drohen Bußgelder.

Im Fokus des deutschen Arbeitsschutzrechts steht die sogenannte Gefährdungsbeurteilung. Sie ist im Arbeitsschutzgesetz als übergeordneter Grundsatz niedergeschrieben und findet sich auch in zahlreichen Verordnungen wieder. Demnach hat der Arbeitgeber die Pflicht, die Gefahren, die in seinem Unternehmen für die Beschäftigten entstehen können, realistisch einzuschätzen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen zu ergreifen. „Wegen der ungeheuren Vielfalt der Arbeitsplätze und deren Ausgestaltung ist eine genauere gesetzliche Vorgabe nicht möglich“, sagt Rechtsanwalt Dr. Alexander Otto von der Kanzlei Buse Heberer Fromm in Düsseldorf. Vielmehr muss jedes Unternehmen nach seinem konkreten Betriebszweck und den konkreten Gegebenheiten beurteilt werden. Die Gefährdungsbeurteilung für ein Hochregallager kann damit anders ausfallen als diejenige für ein automatisches Kleinteilelager.

 

Gefährdungsbeurteilung im Normalbetrieb


Jede Tätigkeit, die im eigenen Lager anfällt – beispielsweise Transporte mit Flurförderzeugen, Umgang mit bestimmten Maschinen, Ein- und Auslagern von Gütern, Kommissionieren, Verpacken – muss bei der Gefährdungsbeurteilung separat betrachtet und eingeschätzt werden. Dabei wird zunächst der Normalbetrieb mit seinen typischen Gefährdungen zu Grunde gelegt, aber auch die Ausnahmesituation, zum Beispiel beim Ausfall oder der Reparatur einer Maschine, kommt als potentielle Gefahrenquelle infrage. Rund um den Gabelstapler zum Beispiel können Verletzungen und Gesundheitsgefahren durch schadhafte Fahrzeuge oder unsachgemäße Benutzung eintreten, ebenso durch die Missachtung der Verkehrswege, durch Umkippen aufgrund falscher Beladung, aber auch durch eine unsachgemäße Reparatur.


Für jede dieser Gefährdungen muss im nächsten Schritt die richtige Schutzmaßnahme ausgewählt werden, und zwar in folgender Reihenfolge: An erster Stelle stehen technische Maßnahmen, an zweiter Stelle organisatorische Maßnahmen und erst an dritter Stelle folgt die persönliche Schutzausrüstung. Für das Beispiel Gabelstapler heißt das vereinfacht: die Fahrzeugtechnik regelmäßig warten, nur ausgebildete Fahrer zulassen und dafür sorgen, dass die Betriebsanleitung beachtet wird, gegebenenfalls Helm und Sicherheitsschuhe zur Pflicht machen.

 

Ergebnisse dokumentieren und überprüfen


Aspekte der Ergonomie, der altersgerechten Gestaltung der Arbeitsmittel und der psychischen Belastung müssen ebenfalls in der Gefährdungsbeurteilung Berücksichtigung finden. Im Arbeitsschutzgesetz ist neben Lärm auch Stress ausdrücklich als Gefährdungsfaktor genannt. Im Lager kann er zum Beispiel durch Zeitdruck entstehen, etwa beim Kommissionieren oder an der Rampe. Auch sind dort Muskel-Skelett-Erkrankungen durch einseitige Belastungen, etwa beim Verpacken, häufig. Ausreichender Bewegungsspielraum, angemessenes Arbeitstempo, ergonomisch bedienbare Anlagen sowie geeignete Hebe- und Tragehilfen stellen wirkungsvolle Gegenmaßnahmen dar.


An der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung für die einzelnen Tätigkeiten im Lager führt kein Weg vorbei. Das Ergebnis muss dokumentiert und regelmäßig überprüft werden. Beides kann auch in elektronischer Form geschehen oder mithilfe von Formblättern der Berufsgenossenschaften. „Typische Fehler unterlaufen den Arbeitgebern immer dann, wenn sie meinen, man könne den Arbeitsschutz nebenbei erledigen“, weiß Arbeitsrechtler Otto. „Insbesondere kleinere Betriebe fahren deshalb in der Regel besser damit, den umfassenden Service des Arbeitsschutzes bei einem Dienstleister einzukaufen.“

 

Beitrag aus dhf 6.2016

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