Foto oben: Gabi Eder/pixelio.de
Mitarbeiter im Fokus

Mit dem Diebstahl von Waren durch eigene Mitarbeiter müssen sich Arbeitgeber immer wieder beschäftigen, gerade das Lager ist dafür anfällig. Dabei gibt es technische und organisatorische Maßnahmen, die für mehr Sicherheit sorgen. Doch nicht jede Aktion ist auch rechtlich zulässig.

Damit Gelegenheit keine Diebe macht, sollte vorgebeugt werden. Leicht zu bewerkstelligen ist das Kennzeichnen der Werkzeuge und Arbeitsmittel mit dem Firmenlogo, ebenso das Ausleuchten des gesamten Lagers samt seinen dunklen Ecken. Durch firmeneigene Bekleidung können betriebsfremde Personen schnell ausgemacht werden. „Ein konsistentes System aus baulichen, technischen, personellen und organisatorischen Sicherungsmaßnahmen“, empfiehlt Ingo Hodea von der Schutz- und Aktionsgesellschaft für die Entwicklung von Sicherheitskonzepten in der Spedition (SAFE).

 

Zugangskontrollsysteme schaffen Sicherheit


So sollten Zugänge zu den Hallen und Büros durch Zugangskontrollsysteme und Kameras, Hallentore durch Alarmsysteme gesichert werden. „Wichtig ist, dass man jederzeit weiß, wer den Betrieb wann betritt und verlässt“, sagt Hodea. „Richten Sie im internen Hallenbereich speziell abgesicherte Bereiche für besonders wertvolle Güter ein und lassen Sie diese nur von Mitarbeitern betreten, die sich über Zugangskarten oder Codes ausweisen können.“ Florian Lauw vom Sicherheitstechnik-Anbieter ABUS ergänzt: „Auch das Programmieren von bestimmten Zutrittszeiten ist möglich, dabei wird jeder Versuch, außerhalb dieser Zeit die Tür zu passieren, aufgezeichnet.“

 

Kameraüberwachung nur mit konkretem Anlass


Auf den ersten Blick sind Überwachungskameras zur Abschreckung und auch zur Aufklärung bestens geeignet. „Es gibt für jeden Einsatzbereich die passende Kamera, dreh- und schwenkbar mit Weitwinkel für den Parkplatz oder mit extremer Vergrößerung für das Detail im Lager“, weiß ABUS-Mann Lauw. Doch ihrem Einsatz setzt der Datenschutz enge Grenzen. „Eine Videoüberwachung ist in öffentlich nicht zugänglichen Räumen, wie Werkshallen oder Lagern, nur unter besonders strengen Voraussetzungen denkbar“, warnt Dr. Jens Günther, Fachanwalt für Arbeitsrecht in München. „Eine rein präventive Videobeobachtung der Mitarbeiter ohne konkreten Anlass zur Diebstahlsverhinderung ist dabei nicht erlaubt.“ Je konkreter die Anhaltspunkte für Eigentumsdelikte sind, umso eher ist der Einsatz von Kameras auch ohne Zustimmung der Mitarbeiter, oder sogar heimlich, möglich. Stets muss aber die Verhältnismäßigkeit gewahrt sein, es darf also keine milderen, ebenso effektiven Aufklärungsmaßnahmen geben.


Treten in einem Betrieb vermehrt Diebstähle auf, sind auch Tor- und Taschenkontrollen zulässig, wenn sie alle Mitarbeiter gleichermaßen treffen und nur gelegentlich und stichprobenartig erfolgen. Erst wenn sich der Verdacht auf einen einzelnen Mitarbeiter konkretisiert, können bei ihm individuelle Maßnahmen durchgeführt werden, etwa die Kontrolle seines Spindes. „Massenkontrollen und Dauerüberwachung ohne Anlass sind grundsätzlich nicht erlaubt“, fasst Arbeitsrechtsexperte Günther zusammen.

 

Nicht immer Kündigung


Eine hohe Fluktuation beim Personal sowie der Einsatz von Hilfs- und Leiharbeitern stellen im Lager besondere Gefahrenquellen dar. „Richten Sie Ihren Fokus auch auf die Mitarbeiter anderer Firmen, von Transportunternehmen und Subunternehmern, die täglich Güter anliefern oder abholen“, rät Sicherheitsfachmann Hodea. Wer erwischt wird, dem drohen strafrechtliche und arbeitsrechtliche Konsequenzen. „Als Reaktion des Arbeitgebers kommt, je nach Einzelfall, eine außerordentliche fristlose Kündigung, eine ordentliche Kündigung oder als mildere Sanktion eine Abmahnung in Betracht“, sagt Rechtsanwalt Günther. Bei einem Bagatelldiebstahl, zumal durch einen langjährig Beschäftigten, sehen die Arbeitsgerichte trotz des Vertrauensverlustes eine Abmahnung als ausreichend an. Bei größeren Schadenssummen oder bei organisiertem, bandenmäßigen Vorgehen ist die fristlose Kündigung angezeigt. Egal wie ein Arbeitsverhältnis endet – Schlüssel, Zugangscodes und Ausweiskarten sind immer abzugeben.

 

 

Beitrag aus dhf 7-8.2016

16_7_TS-dhf_188.jpg 

Gerne können Sie dhf 7-8.2016 mit weiteren interessanten Beiträgen bestellen:

E-Mail:  cedra@agt-verlag.de         

oder:      Kontaktformular

agt verlag thum gmbh
Teinacher Straße 34
71634 Ludwigsburg

Vertrieb, Frau Beate Cedra
Tel.: 07141/22 31-56

agt_logo_200_60.png



spacer
[me]   online
Patent & Recht
16_5_me_rubrik_recht.jpg

 

Online Werbung @ dhf
  
  
spacer