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Konnektivität entlang der Supply Chain

Herkömmliches, papiergesteuertes Transportmanagement erlaubt keinen Datenaustausch in Echtzeit während des Transportprozesses. Die Logistik muss sich auf neue Methoden und Technologien wie cloudbasierte Systeme und Apps einstellen. Diese verändern Prozesse, erhöhen die Konnektivität und optimieren die Effizienz von Transporten.

 

Digitale Lösungen und Dienstleistungen können klassische Transportprozesse wesentlich verbessern. Eine cloudbasierte App wie TM-On-Street von Abat aus Bremen unterstützt den Verlader beim Aufbau eines Digital Services für seine Kunden. Sie stellt Daten entlang des gesamten Transportprozesses zur Verfügung. Das Besondere: TM-On-Street dokumentiert den Transportprozess ereignisbasiert: Nicht die technischen Daten des Lkws stehen im Vordergrund, sondern die Ereignisse, die während eines Transportprozesses vorkommen, beispielsweise Ankunft und Abfahrt beim Kunden oder Verzögerungen. TM-On-Street ist als hybride Fiori App auf Basis von SAPUI5 entwickelt. Eine Verwendung auf nahezu allen Endgeräten, die mit iOS, Android und Windows betrieben werden, ist daher möglich. Technische Voraussetzung für die Verwendung der App sind Plandaten, beispielsweise aus dem SAP Transportmanagement (SAP TM) sowie die Verwendung des SAP Event Managements (SAP EM). TM-On-Street eignet sich besonders für kleine und mittelgroße Transportdienstleister, die verstärkt für einen Verlader oder Kunden fahren. Sie können ihrem Transportdienstleister die App bereitstellen, ohne dass dieser in der gesamten technologischen Infrastruktur eingebunden sein muss.

 

Papierkram ade


Mit TM-On-Street lassen sich fast alle papiergesteuerten Prozesse digitalisieren, wie zum Beispiel der Leihgutaustausch. Das ist besonders hilfreich, da jeder am Prozess Beteiligte einen Überblick über die geliehenen Güter, ihren Verbleib und die anfallende Leihgebühr hat. Zudem profitieren Unternehmen, die TM-On-Street nutzen, von der Digitalisierung der Rollkarte. Sie dokumentiert alle Stopps, Tätigkeiten und Informationen zu den Transportabschnitten der Tour. Auch die Ruhepausen sind darin hinterlegt. Normalerweise muss die Rollkarte vom Fahrer bearbeitet und im Büro gescannt werden. Der Druck der Rollkarten und deren nachträgliche Bearbeitung entfallen bei der digitalen Version, da alle Informationen in der App bereits hinterlegt sind. Der Disponent beziehungsweise der Control Tower, erhält dadurch Rückmeldung in Echtzeit, ob der Fahrer seine geplante Route und alle Stopps eingehalten hat und muss nicht darauf warten, bis sich der Fahrer meldet oder am nächsten Tag wieder zurück ist. Kann der Disponent schneller auf Änderungen reagieren, steigert das nicht nur die Effizienz des Transports, sondern auch die Servicequalität für den Kunden. Auch können Lieferempfangsbestätigungen digital erstellt werden, die dann den Plandaten zugeordnet werden können. Zwar ist es aktuell noch gesetzlich verpflichtend, den Lieferschein auf Papier mitzuführen, doch die digitale Variante der Empfangsbestätigung bietet in diesem Fall an anderer Stelle Vorteile: Alle Lieferempfangsbestätigungen können archiviert werden. Sie werden ins Backend geschickt und gespeichert, ein zusätzlicher Archivierungsprozess entfällt. Verlader können durch die automatische Archivierung der Lieferempfangsbestätigung eine lückenlose Dokumentation aller Materiallieferungen vorweisen. Der Prozess ist dadurch revisionssicher.

 

Geotracking für Transparenz und Sicherheit


Anhand von Geokoordinaten können Disponenten den Aufenthaltsort des Lkws mit TM-On-Street kontinuierlich überwachen. In welchen Zeiträumen das geschieht, kann anhand der Plandaten entschieden werden. Auf langen Strecken reicht es oft aus, wenn er alle zehn Minuten ein Update über den aktuellen Standort erhält. Auf kürzeren Strecken kann es auch alle drei oder fünf Minuten sinnvoll sein. Die Daten über den Aufenthaltsort des Lkws werden automatisch synchronisiert und mit den Plandaten abgeglichen. Daraufhin werden verknüpfte Prozesse angestoßen und durchgeführt, beispielsweise eine automatisierte E-Mail an den Kunden, die ihm Auskunft über den aktuellen Status seiner Lieferung gibt. Auch beim Abladen kommen die Geodaten zum Einsatz: Der Disponent kann durch Ankunft und Abfahrt am Abladeort sehen, wie lange der Aufenthalt beim Kunden insgesamt gedauert hat. Wer diesen Abschnitt noch genauer bemessen möchte, kann dies auch manuell steuern. Dazu gibt der Fahrer in der App einfach den Start- und Endzeitpunkt des Beladens ein. So kann auch noch die Zeit identifiziert werden, die der Fahrer gegebenenfalls warten musste. Die Überwachung durch Geotracking spielt zudem beim Thema Sicherheit eine wichtige Rolle, gerade in Ländern, in denen die Kriminalitätsrate sehr hoch ist. Durch die automatische Übersendung des Standorts in regelmäßigen Abständen kann der Disponent sehen, ob der Lkw unangekündigt von der geplanten Route abweicht oder überhaupt noch fährt. In solchen Fällen wird ein standardisierter Prozess angestoßen und ein automatisierter Notfall-Alert ausgelöst. So kann schnell geprüft werden, ob dem Fahrer etwas zugestoßen ist und ob der Lkw vielleicht schon verloren ist. Die App erleichtert dem Disponenten also nicht nur die Überwachung des Transportprozesses, sondern auch das Aufsetzen von durchgängigen innerbetrieblichen Kommunikationsketten.

 

Durchgängige Kommunikation


Die Kommunikation mit dem Kunden kann entweder über die bereits erwähnten automatisierten E-Mail-Benachrichtigungen erfolgen oder über die SAP Cloud Platform, die SAP in eigenen Rechenzentren betreibt. TM-On-Street bietet dafür eine Instanz, sodass die Cloud als Kommunikationsmittel zwischen App und Backend genutzt werden kann. Zudem stellt der SAP Cloud Connector eine verschlüsselte Verbindung zwischen der SAP Cloud Platform und dem Backend-System des SAP Transport Managements her, in dem alle Informationen enthalten sind. Alle am Transportprozess beteiligten Parteien können auf die Cloud zugreifen und die Informationen in Echtzeit abrufen. So muss der Disponent keine E-Mail-Benachrichtigungen einstellen oder manuell versenden, sondern stellt die gewünschten Informationen automatisiert auf der SAP Cloud Platform zur Verfügung. Alle Partner entlang der Supply Chain können diesen Trace Service im Self-Service-Prinzip nutzen. Ähnlich wie bei einer Paketlieferung für einen Privathaushalt, kann der Status in bestimmten Prozessschritten abgefragt werden. So wird auf der SAP Cloud Platform angezeigt, ob sich die Ware noch im Lager befindet, ob sie bereits verladen oder schon auf dem Weg ist und wie die Estimated Time of Arrival ist. Die angezeigten Informationen und Ereignisse können je nach Bedarf individuell angepasst werden.


Die App verbessert aber nicht nur die Kommunikation zwischen Verlader und Kunde, sondern auch die zwischen Disponent und Fahrer: Der Fahrer kann Ereignisse wie das Auslassen eines Abladeortes oder Verspätungen direkt an den Disponenten zurückmelden. So hat dieser die Möglichkeit, schnell zu reagieren und zum Beispiel die aktuelle Tourenplanung anzupassen. Gleichzeitig stellt die App dem Fahrer alle wichtigen Informationen des Tourenabschnitts auf einen Blick bereit. Fahrer und Disponent sind damit immer auf demselben und aktuellsten Stand, ein reibungsfreier Ablauf des Transports wird so sichergestellt. Für die Durchgängigkeit dieser Daten sorgt der Offline-Modus von TM-On-Street: Hält sich der Fahrer in Gebieten auf, in denen er keine Internetverbindung hat, sind die Daten nicht verloren. TM-On-Street erfasst die Daten auch offline und synchronisiert diese, sobald das Smartphone wieder am Netz ist. Die Kommunikation in Echtzeit erhöht die Transparenz entlang der gesamten Supply Chain und verbessert schlussendlich auch die Servicequalität für den Kunden.

 

Flexibilität und Effizienz


Dank reibungsloser Kommunikation mit allen Partnern und einem umfassenden Überblick über die aktuellen Ereignisse einer Tour, kann der Disponent auch die Auslastung der Tagestour verbessern. Denn wenn er weiß, wo sich die Fahrzeuge befinden, können neue Aufträge ad hoc verplant werden, sofern sich der Lkw in der Nähe aufhält und Kapazität hat. Dazu wird beispielsweise im SAP TM der Frachtauftrag ergänzt, wodurch eine Meldung an das Smartphone gesendet und der aktualisierte Auftrag in TM-On-Street angezeigt wird. Die Tour ist direkt angepasst und der Fahrer erhält alle aktualisierten Informationen. Dieses Vorgehen wirkt sich auch positiv auf die Kosten aus: Je höher die Auslastung des Lkws, desto günstiger sind die Transportkosten pro Material.


Die gesammelten Daten können auch für künftige Prognosen genutzt werden: In einem Service Level Agreement beispielsweise, das bestimmte Vereinbarungen hinsichtlich Liefer- und Ladezeiten umfasst. Wird nach einem gewissen Zeitraum deutlich, dass die festgelegten Zeiten in der Realität nicht einzuhalten sind, kann das Service Level Agreement nachgebessert oder die Fehlerquelle für die Verzögerung identifizieret und behoben werden. Auch können solche Informationen für die Erstellung künftiger Vereinbarungen gewinnbringend eingesetzt werden – aufgrund der Daten kann schon im Voraus eine realistische Einschätzung über Liefer- und Ladezeiten gegeben werden.

 

Für die Zukunft gerüstet


Schon in anderen Branchen gilt: Daten sind das Gold unserer Zeit. Auch die Logistikbranche sollte dieses Potenzial nutzen und gewinnbringend einsetzen. Das funktioniert aber nur dann, wenn die gesamte Lieferkette durchgehend digitalisiert und vernetzt ist. Bis das flächendeckend der Fall ist, wird noch viel Zeit vergehen. Doch Verlader sollten sich schon heute zukunftsfähig aufstellen, um den Herausforderungen von morgen begegnen zu können.

www.abat.de

 

Titelthema aus dhf 7-8.2017

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