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Kommissionierung via Sprache – oder Bild?

Mit Scanner oder Papier kommissionieren, das war gestern. Zukünftig sollen in der Lagerlogistik dafür Datenbrillen zum Einsatz kommen. Das Ziel: Kommissionierleistung steigern und Mitarbeiter entlasten. Lagerbetreiber versprechen sich, mit Pick-by-Vision-Lösungen die Herausforderungen in der Lagerlogistik zu bewältigen.


Der Blick in ein modernes Lager zeigt, dass heutzutage Auftragsmengen stark schwanken, Lagerflächen wachsen und neue Sortimente stetig eingeführt werden. Dabei gilt es, alle Kommissionieraufträge fehlerfrei bereitzustellen und pünktlich auszuliefern. Und dies bei möglichst geringen Kosten. Um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen, nutzen Lagermanager heute verschiedene Verfahren, etwa Barcodescanner (Pick-by-Scan) oder Signallampen (Pick-by-Light). Der Anspruch an all diese Verfahren ist derselbe: Das Kommissionieren muss effizient sein. Denn schnelles und genaues Arbeiten sind die Voraussetzungen erfolgreicher und wirtschaftlicher Unternehmen. Softwaredienstleister wissen das. Sie arbeiten verstärkt an Technologien, die das Kommissionieren voranbringen.

 

Pick-by-Voice: Lagerarbeiter mit Headset


Die sprachgestützte Kommissioniertechnik Pick-by-Voice wird heute in vielen Lagern eingesetzt. Das Verfahren hat sich bewährt, denn es verbessert und beschleunigt das Kommissionieren deutlich. In Hinblick auf das Kommissionieren mit Papierlisten oder Scannern bietet die sprachgestützte Methode entscheidende Vorteile: Der Lagermitarbeiter kann sich frei bewegen, weil er kein Klemmbrett oder auch keinen Scanner halten muss. Was Lageristen zudem schätzen: Das Headset ist ergonomisch geformt und lässt sich bequem tragen. Es behindert den Anwender nicht in der Arbeit, dem Kommissionieren.


Die Sprachkommissionierung hat jedoch auch ihre Grenzen: So kann der Lagerist etwa nicht alle Artikel, die er entnehmen muss, gleichzeitig überblicken. Er muss sich organisieren und die Waren in sinnvoller Reihenfolge auf die Palette packen, sprich: Schwere Artikel kommen zuerst und müssen nach unten gestapelt werden. Doch bildet das System die Packstrukturen für den Kommissionierer richtig ab, steigt die Effizienz.


In der Lagerlogistik ist Pick-by-Voice heute die bewährteste Methode, obwohl sie auch Nachteile birgt. Lagerbetreiber setzen die Sprachkommissionierung ein, weil Pick-by-Vision-Lösungen noch nicht vollständig entwickelt sind. Sie befinden sich in der Pilotphase. Die Lagerlogistikbranche setzt jedoch große Hoffnungen auf bildgebende Verfahren, weil diese versprechen, die Kommissionierleistung weiter zu verbessern.

 

Pick-by-Vision: Datenbrille liefert relevante Informationen


Der SAP-Dienstleister Abat hat bereits eine erste Lösung entwickelt: Es handelt sich dabei um eine Schnittstelle zwischen Datenbrille und dem Lagerverwaltungssystem SAP Extended Warehouse Management (EWM). Die Datenbrillen-Lösung wird momentan bei verschiedenen Pilotprojekten getestet.


Mit der Datenbrille hat der Lagerist alle relevanten Informationen im Blick: Aufträge können direkt in seinem Sichtfeld dargestellt werden. Er kann auf diese Weise Menge und Standort der Ware überblicken. Und die Datenbrille kann noch mehr: Über das bildgebende Verfahren werden etwa Lagerfächer optisch hervorgehoben und zusätzliche Bilder der Waren eingeblendet. Lagermitarbeiter wissen sofort, wo die Ware liegt, können sie so schneller erfassen und weiterbearbeiten. Der Clou: Mensch und Maschine kommunizieren miteinander. Der Kommissionierer kann der Datenbrille Befehle erteilen und beispielsweise zwischen einzelnen Aufträgen navigieren, neue Aufträge anfordern oder die eingebaute Kamera steuern, um Barcodes von Waren zu scannen.

 

Eingebautes Navigationssystem


Im Pilotversuch ermöglicht die Abat-Datenbrille neue Prozesse in der Logistik, beispielsweise beim Wareneingang: Wichtige Informationen, wie etwa Lieferavis oder Auftragsdaten, werden dem Lageristen ins Sichtfeld eingespielt, wie bei einem Navigationssystem im Auto. Der Kommissionierer kann fehlende Informationen zu Waren und Aufträgen über die Datenbrille sofort anfordern. Er erteilt der Brille einfach per Spracheingabe einen Befehl und prompt liegen die Informationen vor.


Neue Prozesse ermöglicht die Datenbrille auch beim Warenausgang: Kommissionierer finden benötigte Artikel ohne Verzögerungen: Die Datenbrille leitet den Mitarbeiter unmittelbar zum Lagerort, zum Beispiel mit „links abbiegen“. Nötige Voraussetzung: eine Inhouse-Ortung im Lager. Die Datenbrille blendet Bilder der Waren ein und vergleicht die Artikelnummern der gepickten Waren mit den Auftragsdaten.


Auch lagerinterne Prozesse werden mit der Datenbrillen-Lösung vereinfacht: Abläufe wie Inventur und Sortierung von Waren werden verbessert. Die Datenbrille ermöglicht dafür eine automatische Einbuchung der Artikel in SAP EWM.

 

Akkulaufzeit ist begrenzt


Die Logistikbranche verspricht sich viel von Datenbrillen: Die Technologie soll die anstehenden Herausforderungen in der Lagerlogistik lösen. Aber: Die Technik muss auch reibungslos funktionieren. Die Vorteile wären immens: Die Datenbrille führt den Kommissionierer, gibt Packstrukturen und Wege vor, warnt vor auftretenden Engpässen und löst diese im Dialog mit Helfern.


Ziel ist, dass Pick-by-Vision-Lösungen die Grenzen der heutigen sprachgestützten Technologie überschreiten, etwa die bisher fehlende Übersicht beim Kommissionieren. Aktuell dienen Datenbrillen lediglich als Scanner und Wiedergabegerät. Augmented-Reality-Lösungen gehen heute schon einen Schritt weiter: Sie verbinden die wahrgenommene Umgebung mit digitalen Inhalten und Bildern. Der Softwareanbieter Microsoft arbeitet schon an solchen Lösungen. Bestes Beispiel: die AR-Brille Holo Lens. Der Träger der Brille sieht Objekte vor sich, als befänden sie sich tatsächlich im physischen Raum. Eine solche Brille böte in der Lagerlogistik viele praktische Möglichkeiten: Ein Lagerist könnte eine virtuelle Palette im dreidimensionalen Raum drehen, um besser zu verstehen, in welcher Reihenfolge sie gepackt werden muss.


Einziger Wermutstropfen: Pick-by-Vision ist noch lange nicht einsatzbereit. Das hat in erster Linie technische Gründe: Die meisten Lager verfügen über keine Inhouse-Ortung, die Hardware ist instabil und die Laufzeit aktueller Akkus ist begrenzt. Die Branche erhofft sich deshalb Impulse aus der Elektromobilitätsforschung: Batteriesysteme sollen sich bis 2020 deutlich weiterentwickeln. Große Autobauer gehen etwa davon aus, dass sich die Energiedichte bei der nächsten Fahrzeuggeneration um 80 bis 100 Prozent erhöhen wird. Das heißt: Die Akkus werden kleiner und leistungsstärker.


Die Entwicklung von Datenbrillen hängt mit der Weiterentwicklung der Hardware zusammen. Ohne bessere Akkus, ohne ausreichend große und ergonomische Displays werden solche Lösungen, vorerst, nicht nutzbar sein. Momentan ist Pick-by-Voice der State of the Art in der Lagerlogistik. Das kann sich aber ändern: Die Sprachkommissionierung könnte von der Bildkommissionierung zukünftig abgelöst werden. Die technologischen Weichen sind bereits gestellt.

www.abat.de

 

Beitrag aus dhf 7-8.2016

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