Foto: Casio Europe
Zeitgemäße Oldtimer-Ersatzteilversorgung

Mobile Datenerfassung mit gleichzeitiger Produktfotografie nutzt die Audi AG im Lager des Audi Tradition Parts Shops, um die mehr als 300000 Ersatzteile zu verwalten.

Die Erfassung der einzelnen Teile erfolgt über eine clevere Softwarelösung auf Basis des Mobisys Solution Builder (MSB) und modernen Casio Handhelds mit integrierter Digitalkamera.

 

Für Freunde alter Automobile ein Alptraum: Keine Ersatzteile mehr für den geliebten Oldtimer. Aber auch für jüngere Klassiker mit den vier Ringen, wie beispielsweise den DKW Junior, den NSU TTS, den Audi Quattro und viele weitere Youngtimer, wird es eng mit der Versorgung an Ersatz- und Verschleißteilen. Hintergrund ist, dass die Automobilindustrie in der Regel nur etwa 15 bis 20 Jahre nach Produktionsende ihrer Modellreihen eine umfassende Ersatzteilversorgung bietet. Für die Audi AG ist die Versorgung des Tradition Parts-Marktes aufgrund der mehr als hundertjährigen, äußerst facettenreichen Vorgeschichte des Konzerns mit seinen Traditionsmarken Wanderer, Horch, DKW Auto Union, NSU und Audi noch um ein Vielfaches schwieriger. Dem historischen Erbe verpflichtet, ließ die Ingolstädter Premium-Marke die „Jünger der vier Ringe“ nicht im Stich und legte im April 2008 den Grundstock für ein auf alte und historische Ersatzteile spezialisiertes Lager mit Online- Shop. Dieses in der Nähe von Neckarsulm eingerichtete Lager und der Internet- Shop sind im Unternehmensbereich Audi Tradition angesiedelt. Audi Tradition pflegt die Unternehmensgeschichte dadurch, dass unter anderem klassische Automobile und Motorräder gesammelt, restauriert und bei Oldtimer-Veranstaltungen eingesetzt werden. Die Philosophie von Audi Tradition bringt deren Leiter Thomas Frank auf den Punkt: „Wir wollen mit unseren Klassik-Aktivitäten den Kunden und der Öffentlichkeit die langjährige Tradition des Hauses Audi bewusst machen und die wechselvolle Geschichte der Audi-Vorgängermarken in Verbindung zur heutigen Marke bringen. Der Tradition Parts Shop hilft dabei, dass die alten Prachtstücke auch in Zukunft erhalten bleiben und gut aussehen.“

 

Hunderttausende Teile, Tendenz steigend


Heute lagern bei Tradition Parts bereits weit mehr als 300 000 Ersatzteile für die Audi-Markenfamilie. Auf mehrere Hallen sind die Karosserieteile, Scheiben, Zierleisten, Fahrwerks- und Motorersatzteile sowie Ausstattungsteile für den Innenraum verteilt. „Übersicht zu behalten, ist nicht einfach; Übersicht und Durchblick zu erlangen, ist aber noch viel schwerer“, weiß Sebastian Funk, zuständig für Ein- und Verkauf der alten Teile, zu berichten. „Bei vielen Modellen der jüngeren Vergangenheit haben wir Ersatzteillisten und Datensätze aus der EDV des Werks übernehmen können. Bei den Oldtimern sieht das oft anders aus. Da muss oftmals mühevoll recherchiert werden, was viel Erfahrung mit historischer Automobiltechnik erfordert.“


Ein großer Teil der Ersatzteile stammt direkt aus den Werken und wird einige Jahre nach Beendigung der Baureihenproduktion an Audi Tradition Parts übertragen. Ein weiterer Teil wird von Audi-Vertragshändlern und Werkstätten zurückgekauft, wenn bestimmte Baureihen ausgelaufen sind. Ganz unkompliziert ist dies leider nicht, da gerade bei den jüngeren Fahrzeugen viele Audi-Teile mit VW-Teilen identisch sind. Bei den Ersatzteilen für die ganz alten Prachtstücke wird es noch schwieriger. Sie werden oft kistenweise aus Garagen und Kellern von Sammlern angekauft und dem Lager zugeführt.


Abgesehen von den Kosten für Rückkauf und Lagerhaltung verschlingt die Altteileversorgung jede Menge Zeit. So sind oft zwei Mitarbeiter des Tradition Parts Teams ausschließlich damit beschäftigt, alte, wieder erworbene Teile mittels historischer Teilekataloge zuzuordnen und zu katalogisieren. Für den Web-Shop müssen sie treffend beschrieben und von verschiedenen Seiten fotografiert werden. Die Fotos geben dem Interessenten dann einen Überblick über den Zustand des angebotenen Ersatzteils. Schließlich befinden sich nur wenige der zurückgekauften Teile im Neuzustand.


Leider ist es nicht möglich, für jedes Modell jedes Ersatzteil aufzutreiben. Bei einer starken Nachfrage können die Teile allerdings neu aufgelegt werden. Auch hier kann der Teufel im Detail stecken. Am Beispiel des NSU TTS-Kotflügels erklärt Sebastian Funk die Schwierigkeiten bei einer Neuauflage eines Ersatzteils. „Da das alte Werkzeug zum Pressen des Rohbleches nicht mehr vorhanden war, müsste ein neues hergestellt werden. Dieses wäre bei einer Teileauflage von 500 Stück jedoch so kostenintensiv gewesen, dass ein Kotflügel über 2000 Euro gekostet hätte. Abgesehen davon, dass niemand diesen Preis für ein Blechteil zahlt, wollte man dem Kunden diesen Preis auch nicht zumuten. Jetzt lassen wir solche Teile im Ausland von Hand herstellen, und sie kosten rund 350 Euro.“

 

Rationalisierungspotential erkannt


„Damit die aufwändige Ersatzteilversorgung für Audi Tradition einigermaßen wirtschaftlich ist und die begehrten Objekte für die Kunden bezahlbar bleiben, rationalisieren wir die Lagerprozesse so gut wie es bei solchen Teilen überhaupt möglich ist“, erläutert Geschäftsführer Thomas Frank. „Es gibt tatsächlich Automobilhersteller, die alte beziehungsweise historische Ersatzteile über eBay und ähnliche Portale verkaufen. Allerdings schaukeln sich dort oft systembedingt die Preise unnötig hoch. Zum Glück haben wir aber ein Team, welches sich zwar mit Herz und Seele der Tradition verbunden fühlt, aber modernste Instrumente der IT und Logistik nutzt, um einen guten Job zu machen.“ Während in der Anfangsphase des Altteilelagers die Artikel noch manuell in Excel-Tabellen aufgenommen und recht mühsam verwaltet wurden, zeigte sich mit der Zeit, dass für die teilweise gebrauchten, oft historischen, aber meist sehr unterschiedlichen Fahrzeugteile die Möglichkeiten des Tabellen-Programms nicht ausreichten. Bald wurde klar, dass auch für das Ersatzteillager und den Online-Shop ein flexibles Lagerverwaltungssystem mit mobiler Datenerfassung benötigt wird. Da sich in weiten Bereichen des Audi Konzerns SAP als unternehmensweites ERP-System etabliert hat, bot sich auch für die intralogistische Anwendung im Bereich Audi Tradition SAP an. Auf Empfehlung des Audi-internen SAP Center of Competence sollte sich das Tradition Parts Team zunächst mit den SAP Standardtransaktionen Bestandsführung (MM), Lagerverwaltung (WM) und Versand (SD) vertraut machen, um dann in einem weiteren Schritt zusammen mit den IT-Spezialisten eine benutzerfreundliche Bedienoberfläche zu entwickeln.

 

MDE-Lösung reduziert Transaktionen


Nach genügend praktischen Erfahrungen mit SAP-Transaktionen in den verschiedenen Anwendungsbereichen wurde schnell klar, dass gewisse Prozesse der Bestands- und Lagerführung bis hin zum Verkauf durch den Online-Shop so weit wie möglich automatisiert beziehungsweise vereinfacht werden müssen. Überall dort, wo Logistikprozesse, wie Wareneingangserfassung, Kommissionierung, etc. anfallen, sollten leichte Handcomputer mit bedarfsgerechtem Funktionsumfang und einfacher Steuerung eingesetzt werden.


Empfehlung der Audi IT-Spezialisten waren in diesem Falle Geräte der Baureihe IT- 800 von Casio, weil sich diese bereits in anderen Werksbereichen bestens bewährt hatten und neben dem üblichen Funktionsumfang über ein großes, kontrastreiches VGA-Farbdisplay und eine integrierte Digitalkamera mit guten Fotoeigenschaften für die Aufnahme der Ersatzteilbilder verfügen. Auf dem Messe LogiMAT in Stuttgart überzeugte sich das Team von Audi Tradition Parts mit Unterstützung eines hauseigenen IT-Spezialisten schließlich von der Eignung der robusten Casio-Handhelds und wählte die Geräte für die mobile Datenerfassung.


Die Anbindung der Mobilgeräte an das SAP-System sollte nach Vorstellungen der IT-Spezialisten weder über eine zusätzliche Middleware noch über die SAP-Console erfolgen. Stattdessen wurde eine kostengünstige Softwarelösung mit dem Mobisys Solution Builder (MSB) präferiert. Die Firma Mobisys Mobile Informationssysteme GmbH aus Walldorf, ebenfalls auf der LogiMAT vertreten, demonstrierte sehr anschaulich, wie der MSB umfangreiche SAP-Transaktionen über mehrere Eingabemasken so zusammenfasst, dass mit wenigen Klicks auf dem Handheld komplexe Aufgaben bewältigt werden und eine situationsbezogene, sehr einfache Bedienung erreicht wird.

 

Zertifiziertes ABAP Add-On für SAP


Zur Realisierung der MDE-Lösung bei Audi Tradition wurden MSB Runtime und MSB Developer im Backend des SAP-Systems installiert. Die zertifizierten Module des Mobisys Solution Builder schaffen die Grundlage, Geschäftsprozesse auf den mobilen Endgeräten durchgängig und direkt auf der Plattform des SAP NetWeaver Application Server auszuführen. Das ABAP Add-On Modul MSB Runtime dient dabei als Basis für die direkt te Anbindung der Casio Handhelds an das SAP-System, ohne dabei Middelware und Zwischenserver einzusetzen. Das Management der mobilen Benutzer, der Handhelds und der Berechtigungen erfolgt direkt aus SAP heraus.


Auf den Casio Handhelds IT-800 ist der MSB Client unter Windows Mobile 6.5 installiert. Dabei sind die Betriebssystem-Funktionen deaktiviert, so dass die Benutzer ausschließlich Zugriff auf die Mobisys Applikation haben. Für die intralogistischen Prozesse im Lager lässt sich eine übersichtliche Menü- Steuerung anlegen, die per Funktionstasten oder Touch-Panel des Casio Handhelds betätigt wird und in beliebig viele Untermenüs verschachtelt werden kann. Der MSB Client kann Auswahllisten (Listboxen) in beliebigen Größen und Farben darstellen. Der Benutzer hat somit eine sehr komfortable Möglichkeit, aus einer Menge von Daten den passenden Eintrag auszuwählen. Auch Fotoaufnahme- Felder können in die Screens integriert werden. Hierzu wird ein Bitmap erzeugt, das mit den übrigen Daten an SAP gesendet und dort beliebig weiterverarbeitet werden kann. So kann das Foto zum Beispiel im Online-Shop mit Referenz zum Artikel angezeigt werden.


Entscheidend für den Einsatz des Mobisys Solution Builder bei Audi Tradition Parts war die Garantie für eine schnelle und sichere Umsetzung des MDE-Projekts durch die Verwendung vorbereiteter Standardtransaktionen. Diese Ready-to-use Transaktionen decken häufig vorkommende Prozesse in Anwendungsbereichen wie der Intralogistik ab und können direkt produktiv genutzt oder als Vorlage übernommen und für das Projekt beliebig angepasst werden.

 

Zufriedene Mitarbeiter, schnelle Amortisation


Heute arbeiten alle Mitarbeiter im Lager von Audi Tradition mit den handlichen MDE-Geräten von Casio. Sie schätzen das geringe Gewicht der robusten Handhelds und genießen die einfache Handhabung der mittels MSB optimierten Prozesse und Transaktionen. Die mobile Datenerfassung und die Produktfotografie via „SAP-Handheld“ möchte heute niemand mehr missen. „Obwohl heute die sechsfache Menge an Ersatzteilen in gleicher Zeit bearbeitet werden, sind die Kollegen zufriedener“, berichtet Melanie Scherf. „Die Aufnahme der angekauften Ersatzteile ins SAP System beispielsweise geht heute sehr viel schneller und komfortabler, weil mit dem Casio Handheld die Daten per Scanner oder Touch-Panel und die Fotos der Teile direkt in einem Arbeitsgang mit wenigen Klicks erfasst werden.“ Sebastian Funk ergänzt aus kaufmännischer Sicht: „Die Steigerung der Effizienz unserer Intralogistik hat die Wirtschaftlichkeit unseres Ersatzteildienstes erheblich verbessert und kommt somit auch unseren Kunden zugute.“


Alles in allem hat sich die Investition in die MDE-Lösung mit Casio Handhelds und der MSB-Software zur Integration in das SAP ERP-System innerhalb weniger Monate amortisiert. 

www.casio-solutions.de

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Beitrag aus dhf 5.2015

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