Foto: Kabelschlepp
Energieführungssystem für weite Wege

Ein Energieführungssystem mit langem Verfahrweg für eine Krananlage im firmeneigenen Hafen: So lautete die Ausschreibung des Düngemittelherstellers Pupuk Kaltim.

Tsubaki Kabelschlepp konnte das Projekt für sich gewinnen. Zum Einsatz kommt ein RSC-System auf Basis der Energieführungskette MC1300 mit Traxline-Schleppkettenleitungen.

 

Die indonesische Firma Pupuk Kaltim ist eine Tochtergesellschaft der PT Pupuk Indonesia Holding Company mit einer aktuellen Produktionskapazität von 2,98 Millionen Tonnen Urea, 1,85 Millionen Tonnen Ammoniak und 350000 Tonnen NPK-Dünger pro Jahr. Pupuk Kaltim stellt außerdem organische Düngemittel mit einer Kapazität von 45000 Tonnen im Jahr her. Das Unternehmen wurde im Jahr 1977 gegründet und hat seinen Sitz in der Stadt Bontang im indonesischen Teil der Insel Borneo.


Anfang 2013 veröffentlichte Pupuk Kaltim eine Ausschreibung für einen neuen Kran im firmeneigenen Hafen, der auf der Längsverfahrung über 260 Meter mit einer Energieführungskette inklusive Spezialkabeln ausgestattet werden sollte. Die Anlage dient zur Beladung von Schiffen. Nach persönlichen Treffen mit dem Kunden und der Abgabe eines detaillierten Angebots entschied sich Pupuk Kaltim im Sommer 2013 für eine Zusammenarbeit mit Tsubaki Kabelschlepp aus Wenden-Gerlingen.

 

Kette und Kabel aus einer Hand


„Für den Kunden war unter anderem ausschlaggebend, dass Tsubaki Kabelschlepp Energieführungskette und Kabel aus einer Hand liefern konnte“, erläutert Dipl.-Ing. Winfried Sambale, Produktspezialist Leitungen bei Kabelschlepp. „Das können nur wenige Anbieter leisten, zumal hier spezielle Mittelspannungsleitungen zum Einsatz kommen sollten.“ Es handelt sich hierbei um hochbiegeflexible 10000 Volt-Schleppkettenleitungen, die speziell für lange Verfahrwege konzipiert sind. Gewicht und Leistung der Kabel sind optimiert: Im Vergleich zu 1000 Volt-Leitungen ist das stromführende Kabel bei gleichem Gewicht nur wenige Millimeter dicker, kann jedoch bis zum zehnfachen der elektrischen Leistung übertragen. Erreichen lässt sich das durch eine spezielle Konstruktion, besonders hochwertige Aufbauelemente und Werkstoffe und eine spezielle Halbleiterschicht.


Wenig Gewicht und hohes Leistungsvermögen in kompakter Bauform. Diese Kabeleigenschaften bedeuten für die komplette Systemkonstruktion geldwerte Vorteile: Je leichter die Elektroleitungen sind, desto weniger Antriebsleistung wird schließlich benötigt. Die hierbei verwendeten speziellen Einzeladern machen es zudem möglich, den Kettenradius zu reduzieren und so die Bauhöhe des gesamten Energieführungssystems niedrig zu halten. Diese Spezialkabel haben wesentlichen Anteil an der Performance des gesamten Systems: Die Hauptkomponenten Kette und Kabel sind detailliert aufeinander abgestimmt, der Kunde bekommt von Tsubaki Kabelschlepp sozusagen eine einbaufertige Blackbox geliefert. Das Prinzip „aus einer Hand“ bedeutet für den Kunden nicht zuletzt „aus einer Verantwortung“: Der Kunde hat für Kabel und Leitungen nur einen Ansprechpartner, der bei Wartungsaufgaben schnell reagieren kann und somit eine größtmögliche Betriebssicherheit über lange Zeit gewährleistet. Das ist gerade in der umkämpften Container-Logistik von Vorteil. Hier gilt es, für die geplante Verfügbarkeit des gesamten Energieführungssystems jederzeit die Funktionssicherheit einzelner Komponenten zu gewährleisten.

 

Entscheidung für rollende Kettenanwendung


Die passende Energieführungskette zum Hochleistungs-Kabelpaket war bei Tsubaki Kabelschlepp schnell gefunden: „Aufgrund der geforderten Verfahrwegslänge in Kombination mit dem dazugehörigen Leitungspaket fiel bei uns sofort eine Entscheidung für eine rollende Kettenanwendung“, erklärt Thorsten Serapinas, Manager Project Engineering bei Tsubaki Kabelschlepp. „Unser innovatives RSC-System sowie die Kette-Traxline-Dauertests auf dem firmeneigenen Outdoor-Prüfstand konnten auch Pupuk Kaltim überzeugen. Somit stand dem Projekt nichts mehr im Wege.“ In den nächsten Monaten erfolgte eine detaillierte technische Abstimmung sowohl mit dem Kunden in Indonesien als auch dem Krananlagenbauer in Schweden, um die Position des gesamten Energiekettensystems und die Mitnehmergestaltung und -anbindung festzulegen.


Roller Supported Chains sind eine optimale Lösung für höhere Zusatzlasten bei langen Verfahrwegen. Im Gegensatz zu bereits auf dem Markt existierenden kombiniert gleitenden/rollenden Systemen berührt das Obertrum des Tsubaki Kabelschlepp-RSC-Systems zu keinem Zeitpunkt das Untertrum. Dabei läuft das Obertrum der Energieführungskette mit kugelgelagerten, wartungsfreien Rollen auf einem Führungsprofil. Weil dadurch nur geringe Zug-/Schubkräfte benötigt werden, verringert sich der Verschleiß innerhalb der Bolzen-/Bohrungsverbindungen der Energieführungskette auf ein Minimum. Eine unerwünschte Auslängung im Gesamtsystem wird dadurch nahezu ausgeschlossen, und die geführten Leitungen erfahren keine zusätzliche Belastung. Außerdem lässt sich aufgrund der geringen Zug-/Schubkräfte die erforderliche Antriebskraft und dadurch auch die Leistung der Antriebe weiter reduzieren. Die Basis für alle RSC-Systeme sind bewährte Standard-Energieführungsketten von Tsubaki Kabelschlepp in Kombination mit Traxline E-Leitungen, in diesem Fall fiel die Wahl auf die MC1300. Eine speziell für Krananwendungen konzipierte, multivariable Energieführung, die sich unter anderem durch seewasserbeständige Aluminiumstege für eine extrem hohe Stabilität auszeichnet.

 

Umsetzung durch internationales Projektteam


Für die Umsetzung des Projekts stellte Tsubaki Kabelschlepp ein internationales Team zusammen: Die Projektplanung und -leitung erfolgte in Deutschland, bei der Koordination half das Tsubaki-Team in Singapur. Aus Gründen der Kosteneffizienz und der Nachhaltigkeit wurden alle Blech- und Stahlbauteile lokal gefertigt. Dazu wurden alle erforderlichen Zeichnungen sowie Qualitätssicherungs-Dokumente von Tsubaki Kabelschlepp zur Verfügung gestellt. So konnte die Fertigung in Indonesien nach den vorgegebenen Qualitätsstandards umgesetzt werden. Nur das Traxline-Leitungspaket und die Energieführungskette selbst kamen in Einzelteilen, in vormontierten Rollensegmenten beziehungsweise aufgetrommelt, aus Deutschland. Der indonesische Projektpartner ATI übernahm die Installation des Systems. „Letzteres war unabdingbar für den Erfolg und die Kosteneffizienz des Projektes“, betont Serapinas. „Die Reisezeit von Deutschland bis zur Baustelle beträgt circa 30 Stunden. Ohne unsere Partner vor Ort war die Aufgabe unmöglich innerhalb des Budgets zu bewältigen.“


Im September 2015 erfolgte die finale Inbetriebnahme und erfolgreiche Abnahme der Anlage durch Tsubaki Kabelschlepp. Seitdem bewährt sich das RSC-System im Hafen von Pupuk Kaltim. „Bei den 260 Metern handelt es sich um einen der längeren von uns bisher realisierten Verfahrwege mit einem rollenden System und den Traxline-Elektroleitungen“, so Thorsten Serapinas abschließend. „Das Projekt ist aber auch deshalb ein solcher Erfolg, weil wir es als internationales Team über große Distanzen hinweg erfolgreich und kosteneffizient umsetzen konnten.“

www.kabelschlepp.de

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Beitrag aus dhf 4.2016

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