Irene Pichlmaier, Jungheinrich
FTS in der Produktion

Irene Pichlmaier, Produktmanagerin Automatisierte Fahrzeuge bei Jungheinrich in Moosburg, erklärt, warum als FTF/FTS-Lösungen für den Bereich der Produktion Geräte aus dem Standardportfolio genutzt werden und wie auch kleinere Unternehmen automatisierte Fahrzeuge effektiv einsetzen können.


Bietet Jungheinrich spezielle FTF/FTS-Lösungen für den Bereich der Produktion an oder bedienen Sie diesen aus Ihrem Standardportfolio?

Irene Pichlmaier: Wir automatisieren ausschließlich unsere Seriengeräte an der Linienproduktion selbst. Das hat den Vorteil, dass es sich um erprobte, aber auch ständig weiterentwickelte Fahrzeuge handelt, die im praktischen Einsatz schon bewährt sind. Auf diese Seriengeräte setzen wir dann die Automatisierung mit Navigations- und zusätzlicher Sicherheitstechnik auf. Unsere Auto Pallet Mover (APM) können bis 2,5 Tonnen transportieren und erreichen Hubhöhen bis vier Meter. Dadurch können wir auf unterschiedlichste Kundenanforderungen reagieren. Dabei kann der APM als reines Automatiksystem, aber auch im Mischbetrieb mit manuellen Fahrzeugen und Personen eingesetzt werden. Eine Vielzahl an Sensoren detektiert Hindernisse am Fahrweg und gewährleistet ein rechtzeitiges Anhalten, sobald sich ein Hindernis im Detektionsfeld befindet. Für die Navigation der FTF haben wir unterschiedliche Möglichkeiten, die je nach Anwendungsfall beim Kunden auch parallel genutzt werden können.


Seriengeräte haben weiterhin Vorteile bei den Kosten und der Servicefähigkeit. Durch unser breites Servicetechnikernetz ist auch die örtliche Nähe zum nächsten Servicetechniker gegeben. Hat ein Kunde bereits Jungheinrich-Geräte im Einsatz, kann der gleiche Kundendienst-Systemtechniker die Wartung, Reparatur sowie die jährlich vorgeschriebene Überprüfung der Personenschutzanlage durchführen. Unsere Servicetechniker haben die gängigsten Ersatzteile immer in ihrem Auto, und wenn ein anderes Ersatzteil benötigt wird, bekommen sie es über Nacht aus unserem zentralen Ersatzteilzentrum in Kaltenkirchen geliefert und ins Auto gelegt und können es am nächsten Tag einbauen. Somit lassen sich mögliche Ausfallzeiten minimieren. Dadurch erreicht der APM eine sehr hohe Verfügbarkeit bei geringen Total Costs of Ownership. Es hat sich gezeigt, dass sich die Investition in ein APM-System bereits innerhalb kürzester Zeit rechnet.

 

Könnten Sie uns Ihre infrage kommenden Lösungen kurz vorstellen?


Unsere Fahrzeugtypen sind für den Transport unterschiedlichster Ladehilfsmittel ausgerüstet: ob Euro- oder Industriepaletten, Gitterboxen oder Sonderladehilfsmitteln. Wir bieten derzeit vier verschiedene Modelle an:

• Der EKS 210a mit einer Tragfähigkeit bis 1,5 Tonnen und bis zu drei Meter Hubhöhe ist ein sehr universell einsetzbares Flurförderzeug und kann mit seinen freitragenden Gabeln auch nicht unterfahrbare Abnahme- oder Abgabestationen bedienen.

• Der ERC 215a ist mit seinen äußerst kompakten Fahrzeugabmessungen auch für schmale Gassen und Einfahrten sowie Einsätze auf engem Raum geeignet. Dabei zeichnet sich das Fahrzeug durch eine hohe Wendigkeit aus. Mit 1,5 Tonnen Tragfähigkeit und bis zu vier Meter Hubhöhe ergeben sich weitreichende Einsatzmöglichkeiten in der Produktion.

• Der Niederhubwagen ERE 225a ist mit einer maximalen Tragfähigkeit von 2,5 Tonnen sehr gut für den Flächentransport geeignet. Durch die Möglichkeit, das Gerät mit unterschiedlichen Gabellängen zu realisieren, eignet sich das Fahrzeug auch für Mehrpalettentransport.

• Neben unseren automatisierten Gabelfahrzeugen ergänzt der automatische Schlepper EZS 350aXL unser FTS-Portfolio. Der EZS 350aXL ist mit einer Zugkraft von fünf Tonnen vor allem für Betriebe interessant, die derzeit mit manuellen Routenzügen arbeiten und ihre Waren auf Anhängern zum Beispiel an die Produktionslinie transportieren.

 

Ist es möglich, diese Lösungen in eine bestehende Fabrikumgebung zu integrieren oder sind sie vorwiegend für Neubauten geeignet?


Durch die einfache Integration in vorhandene Infrastrukturen sind die APM-Modelle flexibel in bestehenden Fabrikumgebungen als auch in Neubauten einsetzbar.

 

Welche Herausforderungen bietet Integration in bestehende Fabrikstrukturen?


Eine Herausforderung sind häufig die Fahrwege. Wenn ein Unternehmen über die Jahre gewachsen ist, dann ist es oft so, dass Hallen miteinander verbunden worden sind, dass es relativ enge Stellflächen oder Fahrwege gibt. Der Einsatz automatisierter Stapler benötigt jedoch Platz, da zusätzlich zur Breite des Fahrzeugs Sicherheitsabstände eingehalten werden müssen. Die APM lassen sich auch einfach in die bestehende IT- und Softwarelandschaft des Kunden integrieren. Die Anbindung an die bestehende Fördertechnik, vorhandene Maschinen oder Tore ist problemlos möglich. Ebenso wie der Einsatz im Mischbetrieb: Personenschutzscanner sowie seitliche Sensoren detektieren mögliche Hindernisse. Wenn ein Mitarbeiter also den Fahrweg kreuzt oder andere Hindernisse im Weg stehen, stoppt das Fahrzeug sicher davor und fährt erst dann weiter, wenn der Bereich wieder frei ist.

 

Gibt es auch Lösungen, die sich für kleinere Unternehmen eignen?


Automatisierung eignet sich für Unternehmen jeder Größe. Unsere APM sind in den unterschiedlichsten Branchen und Industriebereichen im Einsatz, auch rund um die Uhr: unter anderem in der Automobil- und Schwerindustrie sowie in der Metallverarbeitung, in der Logistik- und Distributionsbranche, in der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie. Dabei sind unsere Systeme immer auf den Bedarf beim Kunden ausgelegt. Wir haben auch Anwendungen, wo nur ein Fahrzeug im Einsatz ist. Es kommt immer auf den Prozess an, der automatisiert werden soll, denn auch kleine Unternehmen haben zum Beispiel standardisierte Transporte von der Produktion in ein Lager oder einen Mitarbeiter, der nur damit beschäftigt ist, Produktionsmaschinen leer zu räumen und in ein Zwischenlager zu bringen. Hier ist unser APM eine wirtschaftliche Alternative.

 

Haben Sie Tipps, wie ein Unternehmen selbst feststellen kann, ob es Sinn macht, über die Anschaffung von FTF/FTS nachzudenken?


Generell punkten FTS durch ihre Effizienz und ihre Prozesssicherheit. Wenn ein Unternehmen die internen Transportprozesse effizienter gestalten möchte und/oder Teile des Unternehmens, wie beispielsweise die Produktion, modernisiert, werden die bestehenden Prozesse optimiert und neugestaltet. Dabei sieht man oft Prozesse, die effizienter durch ein FTS erledigt werden können.


Grundsätzlich kann man sich folgende Fragen stellen: Sind einige Mitarbeiter nur damit beschäftigt, Produktionsmaschinen leerzuräumen, um die Taktzeiten der Maschinen einzuhalten? Oder gibt es Mitarbeiter, die den ganzen Tag Waren von A nach B fahren? Haben Sie vielleicht täglich wiederkehrende innerbetriebliche Transportaufgaben, die Ihre Mitarbeiter zusätzlich zu ihrer Haupttätigkeit belasten? Wenn eine oder mehrere dieser Fragen mit Ja beantwortet werden können, dann haben Unternehmen die ersten potenziellen Anwendungen bereits festgestellt.


Darüber hinaus gibt es äußere Einflüsse, die im Vorfeld mitbetrachtet werden sollten, wie zum Beispiel die regionale Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften. Ein weiterer Punkt können die durch manuellen Staplereinsatz verursachten Schäden an Waren, Lagereinrichtung und manuellen Flurförderzeugen pro Jahr sein, denn auch diese Kosten lassen sich durch den Einsatz eines FTS reduzieren.


Ein wesentliches Entscheidungskriterium ist der geplante Einsatz. Gerade im Zwei- und Dreischichtbetrieb kann es sich für Unternehmen lohnen, in Richtung Automatisierung zu denken, da die Amortisationszeit der Investition hier sehr interessant ist. Für die Planung, Konzeptionierung und Realisierung steht Jungheinrich als kompetenter Partner und Gesamtlösungsanbieter beim Thema FTS gerne zur Verfügung.

 

Frau Pichlmaier, ich bedanke mich für das interessante Interview und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

www.jungheinrich.de

 

Beitrag aus dhf 7-8.2016

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