Petra Kurz-Ottenwälder und Max Ottenwälder
„Design schafft Werte“

Die Philosophie des Designbüros Ottenwälder und Ottenwälder lautet „Design schafft Werte“ und drückt aus, was auch Unternehmen der Investitionsgüterindustrie zunehmend für sich zu nutzen wissen. dhf Intralogistik sprach mit Designspezialistin Petra Ottenwälder über den vielfältigen Mehrwert guter Gestaltung.


Frau Ottenwälder, für viele ist Design die rein äußerliche Form- und Farbgestaltung eines Objekts. Gute Gestaltung geht bei Konsum- wie Investitionsgütern jedoch weit darüber hinaus. Wie definieren Sie Design, und was kann Design erreichen?


Petra Ottenwälder: Mit ihren Produkten kommunizieren Unternehmen ihre Marke, ihre Technologie, ihr Können und ihre Werte. Darum ist für unsere Auftraggeber Design die schnellste, effektivste und direkteste Form der Kommunikation. Ein gutes Produkt vermittelt all diese Aspekte über seine gelungene Gestaltung.


Gutes Design schafft bleibenden Eindruck und wirkt über die reine Funktion hinaus, gegen die Beliebigkeit und gegen das Vergessen. Designprodukte transportieren das Markenversprechen, verdichten und symbolisieren Botschaften, Werte und Emotionen. Sie stärken Sympathie und Image einer Marke.


Sympathisch, zugänglich und begehrenswert! Das müssen Produkte heute sein, um Erfolg zu haben. Auf dem Weg dorthin steht der Mensch im Fokus all unserer Überlegungen: Wie muss ein Produkt beschaffen sein, damit es der Zielgruppe dient? Wie muss es sich anfühlen? Welche Gefühle soll es auslösen? Welche Bedürfnisse muss es befriedigen? Auf welche Weise erleichtert es den Alltag der User, verschönert es ihr Leben? Welche Story erzählt es ihnen, und wiederum welche Geschichten sollen sie, begeistert vom Produkt, den Kollegen und Freunden weitererzählen?


Ein Kunde kann noch so viele USPs, noch so viele Vorzüge über sein Produkt auflisten, für User wahrnehmbar werden diese nur, wenn ein Produkt sie spürbar vermitteln kann. Das Produkt ist also die eigentliche Kommunikation, denn es „spricht“ direkt mit dem Endkunden, indem es nonverbal mit ihm interagiert. Über seine Gestaltung muss das Produkt für sich selbst sprechen und überzeugen können. Wer sonst sollte dies tun, im Ladenregal oder gar im Internet? Wir sagen: Ein Produkt muss ausstrahlen, was es kann und was es will. Es muss dem künftigen User ein gutes Gefühl vermitteln.

 

Wie offen sind die Maschinenbau- und Intralogistikbranche für Design? Sind gut gestaltete Produkte leichter und vielleicht auch teurer zu verkaufen? Amortisieren sich Investitionen in das Produktdesign?


Das Designbewusstsein in diesen Bereichen wächst sehr stark. Um eine internationale Führungsrolle mit Produkten auf den Weltmärkten weiterhin behaupten zu können, reicht geniale Ingenieurskunst allein nicht aus. Es bedarf der ästhetischen Umsetzung. Aber nicht nur der schönen Form halber, sondern um Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Ästhetik in einen gekonnten und nachhaltigen Einklang zu bringen.


Design schafft die eindeutige Differenzierung zum Wettbewerb und erhöht das Gebrauchswertversprechen von Maschinen, Anlagen und Dienstleistungen signifikant. Dieser wahrnehmbare Mehrwert wird von den Endkunden erkannt und honoriert.


Investitionen in Produktdesign amortisieren sich nicht nur durch höhere Produktwertigkeit und dadurch höhere Verkaufszahlen, sondern ebenso durch die Kostenreduzierung, die ein innovativer Designprozess generieren kann.

 

Wie wichtig sind für einen Designer Kenntnisse über die Abläufe in der zu gestaltenden Maschine oder das Einsatzgebiet des Produkts?


Diese Kenntnisse sind quasi der Nährboden unserer Arbeit. Je besser wir ein Produkt und die dazugehörigen Einsatzfelder und Abläufe kennen, desto besser können wir es verstehen und aus einer außenstehenden Perspektive heraus betrachten und bewerten. Diese neutrale Betrachtungsweise liefert ein Bild jenseits von Branchen- und Betriebsblindheit und öffnet das Denken für innovative Gestaltungsansätze und neue, bessere Funktionen. Wer zu wenig oder keine Kenntnisse über die Abläufe und Einsatzgebiete hat, gestaltet beliebig und das ist ökonomisch und auch ökologisch katastrophal.

 

Wie arbeiten Sie sich in die jeweilige Materie ein? Wie wichtig ist dabei die Kommunikation mit dem Auftraggeber?


Eine offene und permanente Kommunikation mit dem Auftraggeber ist eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Projektarbeit. Jede Designaufgabe erfordert eine umfassende Beschäftigung mit dem gesamten Thema. Gesellschaftliche Veränderungsprozesse, Konsumverhalten, wirtschaftliche Entwicklungen von Branchen und Auswirkungen zum Beispiel auf den ökologischen Fußabdruck, müssen dabei genauso betrachtet werden, wie die systemimmanenten Möglichkeiten und Grenzen unseres Kunden. Hierzu benutzen wir Daten und Fakten unserer Auftraggeber, aber auch eigene Recherchen und Erkenntnisse von Marktforschungs- und Trendinstituten.

Durch das vielfältige Spektrum unser Gestaltungsfelder in Konsum- und Investitionsgüterbereichen ist in 25 Jahren erfolgreicher Tätigkeit ein enormes peripheres Wissen entstanden, das in den kreativen Phasen der Designarbeit unglaublich positive Synergieeffekte entstehen lässt. Unser kleines feines Netzwerk ist hier oft sehr nützlich.

 

Wann werden Sie als Designer im Entwicklungsprozess beteiligt und wie?


Die Design-Zusammenarbeit mit unseren Kunden beginnt im Regelfall frühzeitig mit der Produktplanung. Nach Erstellung des Entwicklungs- und Marketing Briefings werden über gemeinsame Workshops, Produkt- und Marktanalysen die Grundlagen für Designkonzepte geschaffen, die Hand in Hand mit den Entwicklungsabteilungen und Lieferanten schon im Entstehungsprozess in allen Belangen optimiert werden können. So entsteht eine enge Zusammenarbeit vom Entwurf über die Detaillierung und Ausarbeitung bis zur Serienreife und Marktimplementierung.


Entgegen der weitverbreiteten Meinung, Design sei lediglich für eine ansprechende, bunte Hülle und ein attraktives Interface relevant, geht unsere Arbeit viel tiefer und fördert durch die kreative Auseinandersetzung mit allen produktrelevanten Aspekten wie Konstruktion, Materialien, Produktionsmethoden, Logistikketten, Service und Entsorgung  die Entstehung von werthaltigen Innovationen.

 

Wie wichtig ist die Schnittstelle Mensch-Maschine bei der Entwicklung des Produktdesigns?

Der User, der Mensch, steht grundsätzlich und immer im Fokus aller Überlegungen: Usability, Ästhetik, Haptik, Feeling. Die komplette Story, die dem Konsumenten erzählt wird, bestimmt im 4.0-Zeitalter den Unternehmenserfolg. Mit Design gelingt diese Kommunikation zum Kunden schnell, effektiv und direkt.

 

Welche Werkzeuge haben Sie als Designbüro Ottenwälder und Ottenwälder an der Hand, um maßgeschneiderte Designlösungen für Kunden zu entwickeln?


Wir haben eine eigene Design-Strategie, die Design-Innovations-Methode DIM, entwickelt. Nach ihr setzen wir zukunftsweisende Gestaltung in die Praxis um. Jeder Design-Entwurf durchdringt dabei konsequent die Vier-Säulen-Theorie einer auf 4.0 zugeschnittenen Design-Philosophie: Funktion, Materialität, Flexibilität und Nachhaltigkeit.


Mit der DIM-Methode unterstützen wir unsere Auftraggeber entlang der gesamten Supply Chain und schaffen damit Designlösungen, die optimal auf die Belange einer verantwortungsbewussten Industrialisierung ausgerichtet sind, Logistik, Vertrieb und Marketingkonzept von Anfang an berücksichtigen, mit eingängiger User Experience und klarer Markenbotschaft die Zielgruppen erreichen und die Rentabilität steigern.

 

An welchen aktuellen Projekten im Bereich Maschinen- und Anlagengestaltung arbeiten Sie derzeit?


Im medizintechnischen Bereich arbeiten wir an Systemen und Anlagen für Beckman Coulter. Dieses Unternehmen agiert weltweit in der Laborautomation und Analytik. Das Corporate Produkt Design für das gesamte Produktportfolio wurde von uns entwickelt. Das Design wird inzwischen seit acht Jahren auf allen Kontinenten bei Neuentwicklungen gemeinsam mit den lokalen Entwicklungsteams von uns implementiert.


In der Verpackungsindustrie gestalten wir die Maschinen der Firma Gerhard Schubert in Crailsheim. Neben der konsequenten Markenidentität liegt das Hauptaugenmerk beim Design hier in der Optimierung der Maschinenbedienung, der Kostenreduzierung von Sichtteilen sowie der Optimierung von Logistik und Montagevorbereitung. Aktuell wird der Designentwurf für eine neue Schlauchbeutelmaschine realisiert.

 

Welchen Rat würden Sie Unternehmen in Bezug auf die Gestaltung ihrer Produkte geben?


Gestaltung ist derzeit noch zu stark auf Massenfertigung in vergleichsweise wenigen Varianten eingestellt. Die Zukunft aber liegt in Designlösungen, die eine extrem hohe Flexibilität und Individualisierung ermöglichen. Darum ist unser Appell an die Industrie:

1. Design ist die schnellste, effektivste und direkteste Kommunikation zu Ihrem Kunden – nutzen Sie sie.
2. Bieten Sie nur Produkte an, die Begehrlichkeit auslösen.
3. Denken Sie radikal neu.
4. Design darf nie veraltet oder gar überfordert wirken.
5. Minimieren Sie Ihr Risiko durch werthaltiges Design. Und schaffen Sie Produktplattformen, die Individualisierung zulassen.


Frau Ottenwälder, ich bedanke mich für das interessante Interview und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

www.ottenwaelder.de

 

Interview aus dhf 1-2.2017

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