Jürg Möckli, Ferag
Intralogistik im Fokus

Die Schweizer Ferag AG ist weltweiter Marktführer bei der Entwicklung und Herstellung von Förder- und Verarbeitungssystemen für die graphische Industrie. Inzwischen hat sich das Familienunternehmen auch als Premiumanbieter für intralogistische Gesamtlösungen im Markt etabliert. dhf Intralogistik sprach mit Ferag-CEO Jürg Möckli über die Pläne für 2017.


Herr Möckli, wie sind die Walter Reist Holding AG, die Ferag AG und die Denipro AG miteinander verzahnt? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Unternehmen?


Jürg Möckli: Die Ferag AG, die Denipro AG, die WRH Marketing AG und die PMC Print Media Corporation gehören zum internationalen Konzernverbund der Walter Reist Holding AG (WRH) mit Sitz in Hinwil, Schweiz. Damit sind wir Teil eines inhabergeführten, weltweit agierenden Firmenverbunds, der sich seit 1957 einen Namen für besonders hochwertige Produkte und Lösungen im Bereich der Druckindustrie erworben hat. Zu unserer „Schwester“ Denipro, Weinfelden, Schweiz, die schon seit mehr als zehn Jahren erfolgreich im Bereich Intralogistik aktiv ist, besteht von jeher eine enge Verbindung; denn sie begann ursprünglich als Komponentenlieferant für die Druckweiterverarbeitung. 2014 stieg Ferag mit dem innovativen Skyfall-System ebenfalls in den Markt für intralogistische Anwendungen ein. Seitdem steht Ferag in erster Linie für wegweisende Hängefördertechnik mit hoher Energieeffizienz im dreidimensionalen Raum. Das Profil von Denipro erstreckt sich hingegen auf innovative Förder- und Sortiertechnik für liegende Produkte. Die Systeme beider Unternehmen sind nach einem ausgeklügelten Baukastenprinzip konstruiert. An diesem Punkt erkennen sie Gemeinsamkeiten, die Sie bei allen Unternehmen finden, die zur WRH-Gruppe gehören: Wir sind außerordentlich innovativ und technologiegetrieben.

 

Was für Lösungen bietet Ferag speziell für den intralogistischen Bereich an?


Ganz im Zentrum der Produkte und Lösungen, die wir im Wachstumsmarkt Intralogistik, Warenverteilung und eCommerce anbieten, steht unsere Skyfall-Familie. In den USA ging soeben die bislang größte Skyfall-Anlage mit 6000 Shuttles in Betrieb. Unser dortiger Kunde, Stage Store, ein renommierter Warenhauskonzern, brauchte dringend eine innovative Multi-Channel-Lösung, um noch mehr Geschäft (Fashion, Mode-Accessoires) zu bewältigen. In China realisieren wir gerade ein noch umfangreicheres Skyfall-Projekt für den Automobilzulieferer Dräxlmaier im Bereich der Produktionslogistik. Dabei geht es um den Transport und das Zwischenpuffern von Fahrzeuginnenraum-Komponenten wie Instrumententafeln, Mittelkonsolen und Türsystemen. Das sind nur zwei Beispiele von vielen Skyfall-Projekten, die wir innerhalb kürzester Zeit an Land ziehen konnten.

 

Wo sehen Sie Ihre Hauptkompetenzen? Sehen Sie Synergien mit Ihren angestammten Geschäftsfeldern?


Neben der Entwicklung und Herstellung von innovativen technischen Lösungen sehen wir unsere Hauptkompetenz in der Abwicklung und Umsetzung von komplexen Turnkey-Projekten. Dafür bringen wir 60 Jahre Erfahrung als weltweiter Technologieführer für die Druckweiterverarbeitung mit. In der Druckindustrie und beim Direct Mailing, einem weiteren Segment, in dem wir an führender Stelle positioniert sind, sind weitaus höhere Geschwindigkeiten gefragt als bei den meisten intralogistischen Anwendungen. Das heißt: Für dieses Thema gibt es bei uns ebenfalls fundiertes Know-how, das nur darauf wartet, abgerufen zu werden. Die Synergieeffekte zwischen den drei Bereichen Druckweiterverarbeitung, Direct Mailing und Intralogistik liegen damit auf der Hand. Übrigens: Auch wenn in den vergangenen drei Jahren unsere Umsatzzahlen im Geschäftsfeld Intralogistik stark anstiegen, entfallen immer noch 75 Prozent unseres Erlöses auf die grafische Industrie und auf das Direct Mailing.

 

Wie wollen Sie das Geschäftsfeld Intralogistik von Ferag weiter ausbauen? Spielen dabei Zukäufe eine Rolle?


Sie haben Recht, es wäre natürlich das Einfachste, wenn wir eine Firma aufkaufen und uns damit in den Markt einkaufen würden. Es gibt sicherlich interessante Unternehmen, die dafür in Frage kommen. Auch wenn wir die Finanzkraft für solch ein Ansinnen haben, entspricht das nicht unserer Unternehmensphilosophie. Vergessen Sie nicht, wir sind ein Familienunternehmen. Da spielen Tugenden wie organisches Wachstum eine weitaus wichtigere Rolle als bei großen Konzerngesellschaften. So dauert es vielleicht etwas länger, bis man den Markteintritt geschafft hat. Dafür umgeht man klassische Fusionsprobleme wie das Zusammenführen von zwei unterschiedlichen Unternehmenskulturen. Wenn wir die Wirtschaftsgeschichte ansehen, gibt es viele Beispiele, bei denen es nicht geklappt hat, etwa Daimler und Chrysler. Aus diesem Grund hat unsere Unternehmerfamilie entschieden, dass unser Wachstum allein organisch stattfindet. Dass dieser Weg durchaus zum Erfolg führt, belegt die Tatsache, dass wir nach zwei Jahren Marktbearbeitung schon einen zweistelligen Umsatz im Bereich der Intralogistik verzeichnen konnten. Normalerweise dauert es fünf Jahre, bis ein Unternehmen in einen neuen Markt hineinfindet. Wir sind jetzt erst im dritten Jahr. Trotzdem können wir sagen, dass unsere Richtung stimmt, auch wenn wir hie und da noch kleinere Korrekturen vornehmen müssen. Dabei kommt uns ein großer Vorteil zugute, nämlich dass wir ausschließlich am Standort Schweiz entwickeln und produzieren und als inhabergeführter Konzernverbund sofort auf Veränderungen reagieren können. Wir sind also extrem flexibel und agil am Markt.

 

Welche Zukunftstrends sehen Sie? Ist Industrie 4.0 für Sie ein Thema?


Als nüchtern und pragmatisch denkende Schweizer beteiligen wir uns nicht am Industrie 4.0-Hype. Gleichwohl hat für unser Unternehmen das Zeitalter intelligenter digitaler Vernetzung und Systemkommunikation längst begonnen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Unsere erfolgreiche Easy Sert-Technologie eröffnet im Zusammenspiel mit dem von uns ebenfalls entwickelten Navigator-Steuersystem völlig neue Möglichkeiten im Bereich des industrialisierten und personalisierten Einsteckens für Direct Mailer. Auf diese Weise lässt sich die Werbung von Handelsunternehmen zielgenau auf die individuellen Bedürfnisse von deren Kunden abstimmen. Das heißt: Wir nehmen das Thema sehr ernst; denn es bietet für ein so innovationsfreudiges Unternehmen wie Ferag zusätzliche Chancen am Markt. Neben Industrie 4.0 sehen wir noch andere wichtige Trends. Dazu gehört, dass wir immer intelligenter mit Energie umgehen müssen.

 

Das Thema Energieeffizienz wird zurzeit intensiv diskutiert. Wie begegnet Ferag dieser Kundenanforderung?


Vorteile wie eine hohe Energieeffizienz spielen eine entscheidende Rolle, dass unsere Systeme mit geringem Wartungs- und Betriebskostenaufwand laufen und mit zur positiven Umweltbilanz unserer Kunden beitragen. Skyfall-Anlagen sind von Haus aus extrem energieeffizient, da selbst in großen Anlagen nur wenige Antriebsmotoren zum Einsatz kommen. Der Clou: Die von den Skyfall-Shuttles geförderten Produkte und Werkstücke werden über große Strecken mittels Schwerkraft bewegt. Der schnelle Erfolg unseres Skyfall-Systems und dessen hohe Attraktivität für Kunden wie Dräxlmaier, Grupo Antolin, Soudal oder Stage Store/SDI begründet sich unter anderem damit.

 

Gewähren Sie bitte einen Blick in Ihre Entwicklungsabteilung. Mit welcher neuen Lösung werden Sie Ihre Kunden demnächst überraschen?


Eines unserer jüngsten Entwicklungsprojekte umfasst eine automatische Entladestation und eine semiautomatische Beladestation. Dabei geht es um Leistungen von bis zu 2000 Taschen pro Stunde. Beide Systeme werden wir im Sommer 2017 auf den Markt bringen. Damit reagieren wir auf vielfachen Kundenwunsch.

 

Sagen Sie bitte abschließend, warum ein modernes Materialflusssystem von Ferag kommen soll?


Erstens: Ferag verfügt über sehr viel Erfahrung im Maschinen- und Anlagenbau. Zweitens: Wir sind es von der grafischen Industrie her gewohnt, mit sehr hohen Taktzahlen zu arbeiten. Dabei sprechen wir von bis zu 90000 Kopien pro Stunde, also zehn Mal mehr als in den meisten intralogistischen Anwendungen gefordert ist. Zudem ist die Papierverarbeitung mit solch hohen Geschwindigkeiten eine hohe Kunst, da Papier immer labil ist und mal mehr Farbe, mal mehr Feuchtigkeit aufweist. Im Vergleich dazu stellt für uns der Transport von steifen Produkten eine wesentlich leichtere Aufgabe dar. Drittens: Wir setzen auf höchste Qualität in unseren Anlagen. Viertens: Bei uns steht immer der Kunde im Mittelpunkt. Wir sind offen dafür, mit unserem Kunden genau die spezifische Lösung zu entwickeln, die er braucht. Unser Innovationspotenzial zeigt sich darin, dass Ferag jährlich zwölf Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert und aktuell über 3000 aktive Patente hält.

 

Herr Möckli, ich bedanke mich für das interessante Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

www.ferag.com

 

Interview aus dhf 1-2.2017

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