Foto: SSI Schäfer
FTS für Logistikdienstleister

Durch eine Automation der Lagerprozesse sowie den Einsatz von Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) hat der belgische Logistikdienstleister 2XL N.V. sein Bulklager in ein Konsolidierungslager gewandelt. Die Automationslösung von SSI Schäfer und dem FTS-Spezialisten MoTuM NV bietet 2XL die dafür nötige Flexibilität und Effizienz.

 

Ein Team, eine Idee und eine Erfolgsgeschichte, die die Dynamik der Logistik widerspiegelt: Vor gerade einmal 15 Jahren gründete Jean Van den Poel im belgischen Zeebrugge das internationale Transportunternehmen 2XL N.V. Innerhalb von vier Jahren hatte sich der Familienbetrieb in Belgien bereits fest etabliert. Weitere Wachstumspotenziale erkannte der Unternehmensgründer in der Kontraktlogistik. Bereits 2004 investierte 2XL in zwei große Lager direkt im Hafengebiet von Zeebrugge. „Die beiden Lager mit Bahnanschluss wurden zum Rückgrat für die Entwicklung eines einzigartigen Leistungsangebotes“, erklärt Van den Poel. „Wir konzentrierten uns auf die Versorgung des britischen Markts und entwickelten das Konzept für ein kontinentales Konsolidierungszentrum zur Belieferung von regionalen Distributionszentren in Großbritannien.“ Eine Idee, die von den Produzenten in Kontinentaleuropa sehr gut angenommen wurde. Seitdem sparen die Konsolidierung der Waren und die Bündelung der Transporte deutliche Kosten ein. Überdies bietet 2XL Transport und Lagerung aus einer Hand. Inzwischen führt der Dienstleister in Zeebrugge für verschiedene Kunden die Anlieferungen aus den zentraleuropäischen Produktionsstätten zusammen und beliefert mit 24/7-Verkehren deren regionale Distributionszentren in Großbritannien. Mit wachsendem Kunden- und Artikelspektrum stießen die Lagerkapazitäten von insgesamt 90000 Quadratmeter an ihre Grenzen. „Wir mussten die verfügbaren Flächen effizienter nutzen“, erklärt der Unternehmensgründer. „Dabei setzten wir als eines der ersten Unternehmen in unserem Segment auf die Integration von teil- und vollautomatischen Prozessen.“


In einem ersten Schritt wurden die Abläufe in dem wichtigsten, 30000 Quadratmeter großen Lager neu geplant. Zusätzliche Regalanlagen in weiteren Blocklagerbereichen erhöhten die Zahl der Stellplätze. In dem von Staplern bedienten Drive-In-Lager konnten pro Regalgasse kaum mehr als 30 verschiedene Paletten vorgehalten werden. Da 2XL zudem nach dem Prinzip First-in-First-out arbeitet, mussten die Regalgassen immer mit einem Batch belegt werden. Andernfalls hätte eine permanente Umlagerung vorgenommen werden müssen. Das Unternehmen entschied sich für eine Automatisierung durch ein Hochregallager (HRL). Ziel war es, Durchsätze und Prozesseffizienz zu steigern und die Personalkosten des Betriebs, der an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr läuft, zu senken, da gerade Wochenenden und Nachtschichten zu hohen Zusatzkosten führen.

 

Entscheidung für Intralogistikspezialisten


Den Zuschlag für das HRL erhielt, nach einer internationalen Ausschreibung, SSI Schäfer aus Neunkirchen. „SSI Schäfer ist für uns die Nummer 1 im Markt“, begründet Van den Poel die Auftragsvergabe. „Wir sind Logistiker und keine Automationsspezialisten. Dennoch wollten wir die beste, zuverlässigste Lösung und langzeitliche Betreuung, kurz: Stabilität der Anlage wie auch unseres Unternehmens. Daher haben wir die Realisierung an den Intralogistikspezialisten vergeben.“


Seit 2012 läuft das 8-gassige HRL, das über eine kurze Ein-/Auslagerungs-Fördertechnik mit dem statischen Lagerkomplex verlinkt ist, im Volllastbetrieb. „Die eingesetzten Regalbediengeräte (RBG) sind mit einem Orbiter-System als Shuttle-Lösung kombiniert“, sagt Klaus Reichert, Leiter Abwicklung Customer Service & Support bei SSI Schäfer. „Als Lastaufnahmemittel wurde daher eine Basisstation mit Orbiter-Satellit auf den RBG installiert.“ Nach Übernahme der Paletten verfahren die RBG die Paletten an den Zielkanal. Dieser Vorgang wird vom Lagerverwaltungssystem vorgegeben. Dort heben die Orbiter die Palette an und bringen sie im Regalkanal an den definierten Stellplatz. „Das automatische Shuttle-Lager ermöglicht 2XL auf jeder Etage der Regalanlage die Lagerung unterschiedlicher Artikel verschiedener Chargen, ohne dass das Fifo-Prinzip beeinträchtigt wird“, bemerkt Reichert. „Überdies hat der Einsatz von Regalbediengeräten den Servicegrad von 2XL deutlich gesteigert.“ Tatsächlich ist der Umschlag derart hoch, dass Waren, die in Zeebrugge morgens im Wareneingang vereinnahmt werden, bereits am nächsten Tag in den regionalen Distributionszentren auf den britischen Inseln angeliefert werden. In Spitzenzeiten liegt der Umschlag im 2XL-Konsolidierungszentrum bei bis zu 8400 Paletten pro Tag.

 

FTS für flexible und günstige Transporte


Die wesentliche Basis dafür bildet neben dem HRL die Effizienz der innerbetrieblichen Transporte. Das HRL bietet 2XL einen schnellen Zugriff auf das Lagergut. Aber bis zur Einlagerung aus dem Wareneingang oder der Bereitstellung an den Warenausgangsplätzen sind weite Wege zu absolvieren. Genauer gesagt liegen rund 125 bis 250 Meter zwischen den drei Pick-up-Plätzen im Wareneingang und dem HRL sowie etwa die gleiche Entfernung noch einmal zwischen dem HRL und den zehn Warenausgangstoren. Aufgrund des wechselnden Artikelspektrums und zum Erhalt einer flexiblen Flächennutzung wollte 2XL jedoch keine fest installierte Fördertechnik einsetzen. Dennoch sollten die Standardtransporte auf den festen Routen zwischen Wareneingang, HRL und Warenausgang weitgehend automatisiert werden. 2XL suchte nach einer passenden Lösung für flexible, günstige und barrierefreie Transporte, ein klassisches Einsatzgebiet für Fahrerlose Transportsysteme (FTS). Langjähriger Realisierungspartner von SSI Schäfer ist in solchen Fällen der belgische FTS-Hersteller MoTuM NV, Mechelen. SSI Schäfer hält an dem auf die Entwicklung von FTS und dezentraler Steuerungstechnik spezialisierten Unternehmen eine Mehrheitsbeteiligung. MoTuM produziert Standard-FTS, rüstet Stapler, Schubstapler und Schmalgangstapler auf Fahrerlose Transportsysteme um und verfügt über umfassende Erfahrung in der Entwicklung individueller, kundenspezifischer FTS. Der ideale Ansprechpartner also für die Anforderungen von 2XL.


Unter Einsatz einer Emulationssoftware erstellten SSI Schäfer und MoTuM ein optimales Transportwege- und Leistungsprofil für den FTS-Einsatz im Konsolidierungszentrum von 2XL und programmierten die FTS-Software entsprechend. Parallel dazu entwickelte MoTuM ein anforderungsgerechtes Transportsystem, das trotz der individuellen Konstruktion alle relevanten europäischen Normen und Richtlinien erfüllt. „In Bezug auf Sicherheit und Batterietechnik haben wir die Standards unserer FTS für 2XL sogar noch ausgeweitet“, erläutert MoTuM-Geschäftsführer Pieter Van Caesbroeck. „So bietet die 2Lite Battery Solution nicht nur eine deutlich höhere Lebensdauer als herkömmliche Staplerbatterien, sondern sorgt durch eine ultraschnelle Ladetechnik für eine besonders hohe Einsatzfähigkeit der FTS mit mehr als 20 Palettenbewegungen pro Stunde über die Transportdistanzen im 2XL-Konsolidierungslager.“

 

Sicherheit durch High-End-SPS


Über eine Schnittstelle sind die FTS an den Materialflussrechner des Lagerverwaltungssystems angebunden. Eine High-End-Sicherheits-SPS verarbeitet alle Sicherheitsfunktionen. Die Orientierung im Raum erfolgt durch ein Laser-Lokalisierungssystem. Dazu sind definierte Fahrwege der FTS in einer virtuellen Straßenkarte erfasst. Regelmäßige Erfassungen, ein Abgleich mit den Sollwerten und entsprechende Updates der Position sorgen dafür, dass die FTS bei 2XL die Paletten mit einer Geschwindigkeit von bis zu zwei Meter pro Sekunde zwischen HRL und Warenausgang/-eingang transportieren. Insgesamt setzt der Dienstleister 15 dieser individuell zugeschnittenen FTS ein.


Bis zu 1200 Kilogramm schwere Paletten befördern die Geräte mühe- und beinahe geräuschlos durch das Konsolidierungslager. Direkt am HRL sind Übergabeplätze eingerichtet, an denen die FTS die Paletten übernehmen beziehungsweise abgeben. Dazu sind die FTS in Höhe der Fördertechnik mit einem quer zur Fahrtrichtung laufenden Rollenförderer als Lastaufnahmemittel (LAM) ausgestattet. Das ermöglicht eine direkte Anfahrt und Parkposition vor den Übergabeplätzen, ohne dass die FTS rangieren müssen. „Die LAM-Einheit wurde mit hochmodernen Komponenten gefertigt und ist optimal auf die Fahrzeugmaße von 2XL abgestimmt“, erklärt Van Caesbroeck.


Unternehmensgründer Van den Poel zeigt sich begeistert von der FTS-Lösung. „Herkömmlicher Staplereinsatz auf den immer gleichen Transportstrecken hat, zumal mit Blick auf die erforderlichen Leerfahrten, unnötig Ressourcen gebunden und viel Zeit gekostet“, fasst der Geschäftsführer zusammen. „Die Automation der Transporte durch die FTS hat die erforderliche Flexibilität und Effizienz für unseren Wandel vom Bulk- zum Konsolidierungslager ermöglicht, und wir profitieren von barrierefreien Transporten. Die Gesamtlösung bietet uns eine optimale Bestandsführung und ermöglicht hohe Durchsätze und schnelle Lieferungen. Wir verfügen damit über mehr Kapazitäten für ein breiteres Artikelspektrum bei einer geringeren Lagerhaltung. Das zeigt, dass sich Automation auch für Logistikdienstleister lohnt.“

www.ssi-schaefer.de

 

Beitrag aus dhf 12.2016

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